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Teamarbeit

Podcast
1:34 STUNDEN
21. September 2023

Wie macht man einen Dokumentarfilm postum?

Als der Filmstudent Steffen Meyn bei der RĂ€umung des Hambacher Forstes 2018 von einem Baum stĂŒrzt und dabei tödlich verunglĂŒckt, lĂ€uft seine Kamera weiter. Er trug sie – auf einen Helm geklebt – auf seinem Kopf. Eine Person von der Polizei hebt sie damals auf und packt sie in eine TĂŒte. Die wurde dann von Hand zu Hand weitergegeben, bis sie schließlich auf einer Polizeistation landete. Als die trauernden Eltern das Filmmaterial ihres Sohnes endlich wieder bekommen, stand die Frage im Raum – was tun damit? Steffen Meyn hatte ĂŒber zwei Jahre hinweg die Besetzung im Hambacher Forst mit der Kamera begleitet, war dabei als BaumhĂ€user gebaut wurden, lernte klettern, tauschte sich mit den Aktivist*innen ĂŒber ihre Motivationen aus. UrsprĂŒnglich wollte er mit dem Material ein VR-Erlebnis kreieren, das den Wald erlebbar macht, wenn der nicht mehr da sein wird. Es ist ein Projekt, das nie zustande kommt. Stattdessen baten Steffen Meyns Eltern Freund*innen ihres Sohnes, einen Film aus dem Material zu machen. Keine leichte Aufgabe, erzĂ€hlt Fabiana Fragale im RĂŒckblick:

„Kilian sagt das immer so schön. Er sagt: Das haben wir ja nicht ausgesucht – das Material -, das ist einfach auf uns gekommen, ĂŒber eine Scheißsituation. NĂ€mlich, weil ein richtig guter Freund von uns gestorben ist.“

Ist ein kreativer Prozess ĂŒberhaupt möglich, wenn alle wie erstarrt sind und trauern? Eine Antwort darauf ist Pragmatismus. Jens MĂŒhlhoff machte den Start und fing an das Material zu sortieren. Eine Herausforderung dabei – Steffen Meyn hatte zum großen Teil mit einer 360 Grad-Kamera gedreht, die er auf seinem Kopf trug. Auf diese Weise filmte er sein gesamtes Umfeld. Dabei entstanden zwei Bilder, die in der Nachbearbeitung erst einmal von Hand zusammengefĂŒgt werden mussten, um ein 360-Grad-Bild zu bekommen. Im Schnitt mussten dann aus diesen Rundumbildern einzelne Bilder ausgewĂ€hlt werden. Wenn sie im Prozess dann umgeschnitten haben, erzĂ€hlt Fabiana, dann mussten sie auch die Bilder neu wĂ€hlen. Material, das aber auch Vorteile hatte, erzĂ€hlt sie: „Zum Beispiel kannst du dann eine Situation im GesprĂ€ch von zwei Leuten – Steffen stand in der Mitte, zwei Leute haben geredet -, in dieser Situation kannst du dann einmal zu einer Person schwenken und dann kannst du plötzlich gegenschneiden und der anderen Person zuhören. Und dann kannst du aber auch noch rauszoomen und alle drei gleichzeitig sehen. Das heißt, du entscheidest das, was du eigentlich am Filmset entscheidest im Schnittraum.“

Steffen hoch oben in einem der 86 BaumhÀuser des Hambi (Hambacher Forst) © W-FILM

Wie geht kollektives Arbeiten?

Wie kommt man jetzt zu dritt auf eine Geschichte, die mit diesem Material erzĂ€hlt werden kann? Im ersten Schritt haben alle individuelle Timelines erstellt – mit ihren Lieblingsszenen. Als sie die verglichen haben, stellten sie fest, dass es gar nicht so viele Überschneidungen gab. Wie also weiter? Neben dem reinen Bildmaterial schwingt auch immer die Thematik mit. Die Besetzung, die RĂ€umung und auch der Tod von Steffen Meyn waren öffentlich und bewegten sich in einem politisch aufgeladenen Spannungsfeld. Denn Medien, Politik und Aktivist*innen rangen um eine Bedeutungshoheit dieses Todes, erzĂ€hlt Fabiana Fragale im Podcast. Dort eine eigene Position zu finden war ein Spagat, erinnert sich Jens MĂŒhlhoff:

„Was ein ganz großer Spagat war, war einerseits Steffen als Person, der wir emotional nah sein wollten. Andererseits wollten wir aber auch unglaublich viel politisch da drin verhandeln. Und dieser Spagat der hat, glaube ich, eine sehr lange Genese in diesem Prozess gehabt.“

Auch die Arbeit zu dritt stellte die drei Regisseur*innen immer wieder vor Herausforderungen. Denn alle hatten eine individuelle Beziehung zu ihrem verstorbenen Freund und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der Film am Ende aussehen sollte. „Wir hatten den Film mehrmals fast fertig – ob jetzt im Kopf, oder im Schnittraum – und sind dann noch mal ein gutes StĂŒck zurĂŒck“, erzĂ€hlt Kilian Kuhlendahl, „wenn man viel umwerfen muss, dann muss man das tun und dann gibt es auch einen Grund dafĂŒr.“ Diese Entscheidungen liefe nicht ohne Diskussionen und Kompromisse im Schnittraum ab.

Im Herbst 2018 wurde der Hambacher Forst im Auftrag durch das nordrhein-westfÀlische Innenministerium mittels der Polizei gerÀumt © W-FILM

Die Filmfigur Steffen Meyn

Am Ende entstand ein Film, der mit der ursprĂŒnglichen Idee von Steffen Meyn nicht mehr viel zu tun hatte. Und auch er – als Mensch und Freund – ist ein StĂŒck weit Teil einer konstruierten Dramaturgie geworden. Kilian Kuhlendahl:

„Wir hatten jahrelang eine Filmfigur konstruiert und wussten, dass wir bestimmte Szenen auf eine bestimmte Weise schneiden, weil es gerade in die Dramaturgie passt. Und, dass der reale Steffen, der Mensch, um den ich trauere, jemand anders ist, als die Figur in diesem Film.“

Am 21. September kommt der Dokumentarfilm “Vergiss Meyn Nicht” in die deutschen Kinos. Das Besondere an diesem Film ist, er ist postum entstanden. In dieser Folge sprechen wir darĂŒber, wie das eigentlich geht. Mit welchen Herausforderungen ist das verbunden und was kann und sollte man dabei beachten? DarĂŒber sprechen wir mit den drei Regisseur*innen des Films: Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl und Jens MĂŒhlhoff.

Unsere GĂ€ste

Fabiana Fragale
Regisseurin & Filmemacherin
Website – https://www.fabianafragale.com/

Kilian Kuhlendahl
Regisseur*in und Autor*in von erzÀhlerischen Formaten wie Hörbuch und Graphic Novel
Website – http://www.kkuhlendahl.de/

Jens MĂŒhlhoff
Regisseur und Filmemacher
Website – https://www.jensmuehlhoff.de/

WeiterfĂŒhrende Links
W-Film – https://www.wfilm.de/vergiss-meyn-nicht/kinotermine/

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Podcast
1:28 STUNDEN
20. April 2023

Die immer wieder gleichen Geschichten

Egal ob im Theater oder im Film, viel zu hĂ€ufig werden die immer gleichen alten Geschichten und Stereotypen aufs Neue erzĂ€hlt. Immer wieder werden alte patriarchale Strukturen durch die immer gleichen ErzĂ€hlweisen manifestiert und die alten Helden leben hoch. Jedoch sind Geschichten nicht nur ein netter Unterhaltungswert, sondern sie prĂ€gen unsere Gesellschaft. Die Form des GeschichtenerzĂ€hlens ist die einfachste und gleichzeitig komplexeste Form, Bilder und Stereotypen im Mindset unseres gesellschaftlichen Kollektivs zu verankern. Wie brechen wir diese Strukturen und alten ErzĂ€hlmuster auf? Wie lösen wir uns von den alten ErzĂ€hlungen und geben mehr Raum fĂŒr die Neuen? Der Film LADYBITCH widmet sich genau dieser Herausforderung und revolutioniert mit seiner Protagonisten Ela die Bretter, die die Welt bedeuten. Doch nicht nur auf der Leinwand bricht der Film patriarchale Strukturen auf, sondern auch innerhalb der Produktion hinter der Kamera achtet das Regie-Duo Paula KnĂŒpling und Marina Prados auf einen verantwortungsvollen und wertschĂ€tzenden Umgang mit ihrem Team.

Machtposition vs. Verantwortungsposition

„Regisseur*in zu sein ist eine Verantwortungsposition. Ich habe nicht die Macht, sondern ich habe die Verantwortung fĂŒr mein Team. Es ist eher ein Auftrag als ein Privileg.“

Paula KnĂŒpling

Das Regie-Duo Marina Prados und Paula KnĂŒpling sind seit dem letzten Jahr mit ihrem durchschlĂ€gigen SpielfilmdebĂŒt LADYBITCH unterwegs. Gemeinsam haben sie an dem Drehbuch geschrieben, ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet und wĂ€hrend der Pandemie mit einem kleinen Team ihr Filmprojekt erfolgreich realisiert.

Doch was braucht es, um sensible Szenen, in denen GrenzĂŒberschreitungen reinszeniert werden, umsetzen zu können, ohne dass es zu inneren SchĂ€den kommt? Marina und Paula haben darauf eine klare Antwort, denn fĂŒr sie bedeutet die Position der Regisseurin nicht Macht auszuĂŒben, sondern Verantwortung zu ĂŒbernehmen und auch abzugeben, um gemeinsam als Filmteam agieren zu können:

„Mentale Gesundheit am Set ist zentral und daher ist es wichtig, sich zu entspannen, es locker zu nehmen – sich und das Projekt nicht ĂŒber alles zu stellen.“

Marina Prados

Die beiden sind sich einig: Das Filmprojekt sollte nicht ĂŒber allem stehen, das Wichtigste sind die Menschen, mit denen im Team gearbeitet wird und diese wurden trotz kleines Produktionsbudget fĂŒr ihre Arbeit bezahlt. DafĂŒr schraubte das Regie-Duo ihre technischen und Ă€sthetischen AnsprĂŒche zurĂŒck. Eine vorbildliche Handlung, um prekĂ€re Situationen in unserer Filmbranche aufzubrechen.

Kurze Verschnaufpause – Filmstill aus Ladybitch © Ladybitches Productions

Themis veröffentlicht Ratgeber

Was kann die Filmbranche auch im Kleinen tun, um GrenzĂŒberschreitungen zu erkennen, nötige Hilfestellungen zu geben oder eben prĂ€ventiv entgegenzuwirken? Marina und Paula suchen immer wieder das GesprĂ€ch zu ihrem Team. Reflektieren ihre eigenen Grenzen und halten Absprachen wie bspw. die Einhaltung der regulĂ€ren Drehzeiten, ein. Doch was kann der/die Einzelne tun, wenn er oder sie GrenzĂŒberschreitungen erlebt oder beobachtet? HierfĂŒr veröffentlicht die Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle BelĂ€stigung in der Kulturbranche erstmals eine BroschĂŒre, in der mögliche Situationen skizziert werden und mögliche Handlungsoptionen formuliert werden. Neben einem psychologischen Notfallkoffer fĂŒr Zeug*innen gibt es zu jedem Kapitel Reflexionsfragen, sodass eine aktive Einbindung der Leserschaft evoziert wird.

Foto: Paula KnĂŒpling & Marina Prados © Katja Feldmeier

Ladybitches Productions

In unserer aktuellen Folge sprechen die beiden Regisseurinnen mit uns ĂŒber ihre Arbeit zu LADYBITCH. Wir sprechen ĂŒber die aktuelle Handreichung der Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle BelĂ€stigung in der Kulturbranche und stĂ€rken wichtige Learnings zum sensiblen und wertschĂ€tzenden Umgang miteinander. Seit dem 09. MĂ€rz 2023 lĂ€uft LADYBITCH in ausgewĂ€hlten Kinos.

Paula KnĂŒpling
Regisseurin
Webseite – LINK
Crew United – LINK

Marina Prados
Regisseurin
Webseite – LINK
Crew United – LINK

WeiterfĂŒhrende Quellen

Ladybitch (Trailer) – LINK

Lara – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen* (Webseite) – LINK

Mental Healt First Aid – Ersthelfer*in werden! In dem Zentralinstitut erfĂ€hrst du, wie du Erste Hilfe fĂŒr psychische Gesundheit leisten kannst. Schau dich mal auf der Webseite um:

MHFA-Ersthelfer Kurse fĂŒr psychische Gesundheit (Webseite) – LINK

MHFA-Erstehelfer (KursĂŒbersicht) – LINK

Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle BelĂ€stigung und Gewalt (Webseite) – LINK

Solidarische KreativitĂ€t – UnterstĂŒtzung bei GrenzĂŒberschreitungen und BelĂ€stigung in der Kulturbranche (BroschĂŒre) – LINK

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Eine GesprÀchsreihe mit Potential

Was braucht die deutschsprachige Filmbranche? Und was hat der Filmnachwuchs zu sagen, der vor den Startlöchern des ernsthaften Einstiegs in die kĂŒnftige Arbeitswelt steht? Judith Frahm und Fritzie Benesch haben es sich in ihrem Studium an der FilmuniversitĂ€t Babelsberg KONRAD WOLF nicht nehmen lassen, in Eigeninitiative die GesprĂ€chsreihe „Ausnahmezustand Film?!“ zu starten, die nicht “um den heißen Brei redet”, sondern mit diversen GĂ€sten ganz konkret den Finger in die Wunde legt. Wie wollen wir in Zukunft miteinander arbeiten, denn so geht es nicht weiter.

Den Ausnahmezustand stoppen: Andere machen es vor!

Die beiden Produktionsstudentinnen sprechen mit uns ĂŒber ihre konkreten Vorstellungen und WĂŒnsche und machen schnell klar, was möglich und fĂŒr ein Bestehen der Filmbranche unumgĂ€nglich ist. Unter dem Dachthema “New Work” machen andere Branchen und LĂ€nder schon lĂ€ngst vor, was auch fĂŒr die Filmbranche wichtig ist: Flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien, agiles selbstbestimmtes Arbeiten. Darunter zĂ€hlen beispielsweise familienfreundliches Arbeiten, Job-Sharing – also zwei Menschen teilen sich einen Arbeitsplatz in Teilzeit oder auch das Home-Office teilen.

Microsoft in Japan setzt seit 2019 auf die 4-Tage-Woche und erntete damit große Erfolge: Effizientere ArbeitsablĂ€ufe, höhere ProduktivitĂ€t, weniger Stromverbrauch und auch positive psychologische Effekte sind nicht auszuschließen. Die Dringlichkeit fĂŒr diesen Wandel sind nicht zuletzt der extremen MĂŒdigkeitsgesellschaft und dem daraus resultierenden „Tod durch Überarbeitung“ (Karoshi) geschuldet. Soweit muss es in Deutschland nicht erst kommen, denn andere LĂ€nder in Europa, wie Belgien, Schweden und England zeigen bereits heute, was das frĂŒhzeitige Erkennen und Handeln bewirken kann und implementieren die oben genannten Alternativen. Wo bleibt der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland? Bisher beharren politische Akteure eher auf der Strategie der 42-Stunden-Woche, doch gehen die BĂŒrger*innen da mit? Und wie nutzt die Filmbranche diese möglichen Trends fĂŒr sich?

Die innere Haltung: Bewusstsein schaffen

Selbst wenn die 4-Tage-Woche nicht gleich morgen kommt, kann jede*r im Kleinen etwas tun, um einen Kulturwandel in der Filmbranche zu schaffen. Es muss nicht sofort die GrĂŒndung einer Initiative sein oder die Umsetzung einer Studie. Die innere Haltung zĂ€hlt. So kann ein ritualisiertes Check-In und Check-Out am Arbeitsplatz (egal ob am Set oder im BĂŒro) ein erster Einstieg sein, um ein TeamgefĂŒhl zu schaffen und eine wertschĂ€tzende ArbeitsatmosphĂ€re. Generell weg vom alleinigen Geniestatus und dem daraus resultierenden starken MachtgefĂ€lle, hin zu transparenter Teamarbeit.

Es braucht, einen Austausch auf Augenhöhe!

In unserer ersten Folge der neuen Staffel haben wir mit unseren GĂ€sten Judith Frahm und Fritzie Benesch (Produktionsstudentinnen der FilmuniversitĂ€t Babelsberg KONRAD WOLF) reden wir ĂŒber toxische ArbeitsverhĂ€ltnisse am Set und strukturelle Probleme in der deutschsprachigen Filmbranche. In dem spannenden GesprĂ€ch stellen wir uns die Frage, wie wir in Zukunft miteinander Filme machen wollen und was es heißt, sozial-nachhaltig zu produzieren? Fritzie und Judith legen ihren Fokus auf den Austausch. Denn beide sind sich einig, es braucht den Dialog und nicht die Schuldzuweisung! Sich gegenseitig zuhören, sich gemeinsam an einen runden Tisch setzen und zwar mit der ehrlichen Haltung nicht nur fĂŒr sich etwas Ă€ndern, sondern Zugunsten aller Beteiligten.

Unsere GĂ€ste

Judith Frahm
Produktionsstudentin an der FilmuniversitÀt KONRAD WOLF

Fritzie Benesch
Produktionsstudentin an der FilmuniversitÀt KONRAD WOLF

Kontakt zu Ausnahmezustand Film?!
Instagram – @ausnahmezustand.film
Mail – ausnahmezustand.film@gmail.com 

WeiterfĂŒhrende Quellen

Corso-GesprĂ€ch – Wie kann ein Kulturwandel in Filmbranche gelingen?

https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung.1160557.php

Basten, Lisa: „Wir Kreative!“ Das SelbstverstĂ€ndnis einer Branche

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#136 | Teamwork: Kollektive Prozesse im Film

Kollektiv, Ko-Prozesse, Kollaboration, Kooperation, Ko-Kreation

Arbeiten im Team – Zusammenarbeit kennt viele unterschiedliche Formen und Bezeichnungen. Neben der wohl bekanntest Art, der Kooperation, gibt es verschiedenen Möglichkeiten, die eigenen FĂ€higkeiten mit anderen zu verbinden, um gemeinsam ein Projekt zu realisieren. Schnell kommt die Frage auf: „Ist die Arbeit beim Film nicht per se eine Teamarbeit? Also eine Arbeit, die in kleinen Kollektiven, in den verschiedenen Gewerken oder Departments stattfindet?“ Jein. Es kommt eben ganz darauf an, wie die Teamarbeit vonstattengeht. Sind alle gleichermaßen am Prozess beteiligt? Gibt es flache Hierarchien? Gibt es eine*n EntscheidungstrĂ€ger*in? Eine autoritĂ€re Kraft? Gibt es einen Auftrag, dem es zu folgen gilt? Dies setzt nicht außer Kraft, dass es keine konventionelle Arbeitsverteilung geben darf und jede*r alles machen soll. Viel mehr geht es darum, die StĂ€rken der Einzelnen sichtbar zumachen und bestmöglich im Projekt einzusetzen. Dies geht nur mit guter Kommunikation und einer großen Portion WertschĂ€tzung.

Open Mind Set: Die innere Haltung zÀhlt

Es gibt unterschiedlichen Formen des kollaborativen Arbeitens. Schon ein Team aus zwei Personen kann per Definition ein Kollektiv sein. Wichtig ist, wie sie miteinander arbeiten. Wie wird die FĂŒhrung gehandhabt? Wie wird miteinander kommuniziert? Es ist stets eine große Herausforderung, ob im kleinen oder großen Team multiperspektivisch zu arbeiten, die verschiedene Ideen, Gedanken, Stimmen und Meinungen zusammenzufĂŒhren. Wie können Arbeitsprozesse wie der Filmschnitt oder die RegiefĂŒhrung im Duo neu strukturiert werden? Was braucht es, um gemeinsam als Doppelspitze oder im grĂ¶ĂŸeren Team, wie beispielsweise in einem Writersroom, kollektiv zu arbeiten? In erster Linie Zeit und die Muße der Person gegenĂŒber zu vertrauen.

Egal ob vor oder hinter der Kamera, Teamwork bereichert die QualitÀt der Arbeit.
Teamarbeit vor und hinter der Kamera – Ein Vorteil fĂŒr alle!

Multiperspektivische Team: Vielschichtig und Krisensicher

Doch das Ergebnis lohnt sich. Gerade bei der Entwicklung der DrehbĂŒcher kann sich ein gut eingespielter Writersroom positiv auf die Entwicklung vielfĂ€ltiger Figuren und einem clever gespickten Storytelling wirken. Auch bei der Umsetzung am Set kann ein fest verknĂŒpftes Regisseur*innen-Duo Herausforderungen gemeinsam besser angehen und der Druck der Entscheidungen lastet somit nicht auf einzelnen Schultern. Diese Form der Entscheidungsverteilung bringt Ruhe und Sicherheit in die einzelnen Departments.

Zudem sind nachweislich diverse Teams krisensicherer. Durch die verschiedenen Erfahrungswerte können bestehende LĂŒcken eher abgedeckt werden. NatĂŒrlich benötig der Aufbau Zeit und vor allem gute Kommunikationsstrukturen und Strategien, um dialogisch im Team arbeiten zu können. Aber auf lange Sicht gesehen lohnt sich die MĂŒhe. FĂŒr die jeweiligen Teams und die Filme, die dabei entstehen.

Trends im Indiefilmtalk-Kosmos

In einem Team auf Augenhöhe zusammen zu arbeiten ist gerade im Filmbereich noch keine SelbstverstĂ€ndlichkeit, aber ein Trend, den wir schon bei vielen Projekten beobachten durften. In den letzten Jahren sind uns immer wieder besondere Formen der Zusammenarbeit begegnet. Daher nutzen wir die Chancen und platzieren in der heutigen Folge kleine Ausschnitte von Filmschaffenden, die in ganz unterschiedlichen Arten ĂŒber ihre ganz individuelle Zusammenarbeit sprechen. Spoiler: Doppelspitzen in Regie, Drehbuch oder auch im Filmschnitt sind vielleicht ein neuer Trend, um Verantwortung fĂŒr Projekte gemeinsam zu ĂŒbernehmen. Oder was meint ihr? Welche Formen der kollektiven Arbeit sind euch im Filmbereich schon begegnet?

Ihr kennt noch weitere Formen der Zusammenarbeit in Departments die hier noch nicht genannt wurden? Meldet euch bei uns: comment@indiefilmtalk.de

Foto: v.l.n.r.: Track 15, Filmstill aus DRUCK, Anne JĂŒnemann und Carlotta Kittel, Filmstill aus LOVECUT.
Foto: v.l.n.r.: Track 15, Filmstill aus DRUCK, Anne JĂŒnemann und Carlotta Kittel, Filmstill aus LOVECUT.

Über folgende Episode haben wir gesprochen:

#09 Livetalk MSD | DRUCK: Crossmediales Storytelling
#81 | Filmmusik: Arbeit im Kollektiv und der Weg zur guten Filmmusik
#92 | Filmeditor*innen: Montieren im Team
#101 | LOVECUT: Ein starkes Duo

Mediathek-Tipp

unicato – Das Kurzfilmmagazin „Kollektive KreativitĂ€t“

„Wir“ Menschen leben zusammen, arbeiten zusammen, feiern zusammen, Schauen Filme zusammen. Auch hinter der Kamera entstehen diese Filme zusammen. Doch was ist es, das uns zusammenhĂ€lt?

unicato beleuchtet im November die Zusammenarbeit im Kurzfilm. Ob als Team, Allianz oder eben KĂŒnstlerkollektiv.

Moderator Markus Kavka spricht mit:
Theaterwissenschaftlerin und Moderatorin des Indiefilmtalk Podcast Susanne Braun, den Filmschaffenden der Gruppe Auge Altona aus Hamburg, dem Kollektiv werkgruppe2 undden AnimationskĂŒnstler:innen von Studio Torp.

Zu sehen ist „Kollektive KreativitĂ€t“ online in der ARD Mediathek und am 9./10. November, 0:25 Uhr im MDR Fernsehen.

Podcast
1:35 STUNDEN
21. Juli 2022

Direct Cinema: Das beobachtende Kino

Das Direct Cinema, CinĂ©ma VĂ©ritĂ© oder auch das beobachtende Kino sind Formen des Dokumentarischen. Im Kern geht es darum, die „AuthentizitĂ€t des filmischen Auftretens, so transparent wie möglich zu machen“, so Klaus Wildenhahn (Dokumentarfilmer). Besonders charakteristisch ist eine puristische, konzentrierte dokumentarische Form mit kaum oder gar keiner Musik, keiner oder nur wenigen Kommentaren. Das Direct Cinema fokussiert sich dabei auf das reine Beobachten, wĂ€hrend das CinĂ©ma VĂ©ritĂ© durchaus durch die PrĂ€senz der Kamera Provokationen evozieren möchte.

In der aktuellen Folge konzentrieren wir uns auf das Direct Cinema. Zusammen mit den Regisseuren Sebastian Winkels und Simon BrĂŒckner sprechen wir ĂŒber ihre dokumentarischen Arbeiten. Neben dem aktuellen Kinodokumentarfilm Eine deutsche Partei von Simon, erfahren wir auch von den Arbeitsweisen aus Sebastians Filmen, wie z.B: 7 BrĂŒder, Talking Money oder Mein schönes Leben (Nicht alles schlucken).

Welche Kniffe haben sie genutzt, um das Authentische ans Licht zu bringen? Welche innere Haltung ist wichtig, um herausfordernde Prozesse dokumentarisch zu begleiten? Was ist charakteristisch fĂŒr das Direct Cinema? Und warum ist das beobachtende Kino so wichtig fĂŒr uns und unsere Gesellschaft?

Zu Gast: Die Regisseure Simon BrĂŒckner und Sebastian Winkels

Simon studierte Sozialwissenschaften im Nebenfach an der Humboldt-UniversitĂ€t in Berlin und ist Initiator der selbstorganisierten Filmschule der FilmArche in Berlin. Das Dokumentarische und insbesondere das Direct Cinema begeistern ihn schon frĂŒh. Nach der Realisierung einiger Kurzfilmen, war ihm schnell klar, dass ihn das Reale mehr reizt als das Fiktive.

„Ich finde es gut, wenn ich Geschichten finde, anstatt sie zu erfinden.“

Simon BrĂŒckner

Sebastian kam als Kameraassistent zum Film. Seine Neugierde fĂŒr den Film wurde aber schon weit vor dieser TĂ€tigkeit durch die Super-8 Kamera entfacht. 1996 bewarb er sich fĂŒr das Kamerastudium der heutigen FilmuniversitĂ€t Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam und lernte dort den Dokumentarfilm fĂŒr sich kennen und lieben. Filmschaffende wie Raymond Depardon oder Frederik Wiseman (u.a.) waren fĂŒr ihn wichtige Wegbereiter, sich dem Dokumentarischen filmisch zu widmen. FĂŒr Sebastian ergeben sich aus den Mitteln des Dokumentarischen und insbesondere dem beobachtenden Dokumentarfilm andere Möglichkeiten, Welten, Themen, und Prozesse sichtbar zu machen.

„Der beobachtende Dokumentarfilm hat den Anspruch LebensrĂ€ume sichtbar zu machen, die wir noch nicht beschreiben, erfahren oder untersuchen konnten.

Sebastian Winkels

1998 lernten sich Simon und Sebastian bei einem Studentenfilm der DFFB kennengelernt. Seither arbeiten sie gemeinsam an ihren Dokumentarfilmprojekten und unterstĂŒtzen sich gegenseitig in ihren Vorhaben.

Eine deutsche Partei: Eine Beobachtung ĂŒber 2,5 Jahre

Film-Still aus Eine Deutsche Partei. Dokumentarfilm. Aaron Kimmig steht mittig im Bild mit einem Mikrofon auf offener Straße. Er ist Mitglied der Jungen Alternative: Die Aufnahme entstand am 13.08.21, bei einer Anti-Corona-Demonstration in Berlin.
Foto: Film-Still aus Eine Deutsche Partei – Aaron Kimmig, (Mitglied der Jungen Alternative) vom 13.08.21, bei einer Anti-Corona-Demonstration in Berlin | © Spicefilm

Über zwei Jahre begleitet der Regisseur Simon BrĂŒckner die AfD. Er nimmt die Haltung des neugierigen Forschers ein und ist mittendrin bei Fraktionssitzungen, Gremien auf regionaler Ebene oder dem Parteitag der AfD. Die entstandenen Filmaufnahmen fanden fĂŒr alle sichtbar und mit der Zustimmung der beteiligten Personen und Gremien statt. Die AfD hatte kein Mitspracherecht bei der Postproduktion. Gesa Marten und Sebastian Winkels editierten das Material und arbeiten ĂŒber ein Jahr am Filmschnitt. Ein essenzieller Prozess, der Sebastian, Simon und Gesa in einen wichtigen Austausch ĂŒber das entstandene Filmmaterial fĂŒhrt.

Ein Rendezvous mit der Bank und ein GesprĂ€ch mit sieben BrĂŒdern

Foto: Film-Still aus Talking Money | © déja-vu film

In seinem Dokumentarfilm Talking Money aus dem Jahre 2017, begibt sich Sebastian Winkels auf eine Weltreise und begleitet mit seinem Team ĂŒber 150 BankgesprĂ€che zwischen Bankier und Kunde. Egal, ob Bolivien, Georgien, Pakistan, Teheran oder der Schweiz – wir sind als Publikum dabei, wenn Kredite verhandelt oder Depos eröffnet werden.

Drei Jahre zuvor fĂŒhrt er Regie zusammen mit Jana Kalms und Peter Stolz beim Dokumentarfilm Mein schönes Leben (Nicht alles schlucken). Zwanzig Menschen mit Psychiatrieerfahrungen kommen in einem Stuhlkreis zusammen und berichten von ihren subjektiven Erfahrungen und Einblicken. Ganz durchmischt kommen neben den Betroffenen, Angehörige, Ärzt*innen und Pflegende zu Wort.

2003 realisiert Sebastian seinen Abschlussfilm an der FilmuniversitĂ€t Babelsberg, den Dokumentarfilm 7 BrĂŒder. Die Protagonisten erzĂ€hlen vor laufender Kamera aus ihrem Leben, ihrem VerhĂ€ltnis zu ihren Eltern und welche Erlebnisse sie untereinander bewegt und geprĂ€gt haben.

Foto: Film-Still aus 7BrĂŒder | Wolfgang Hufschmidt Jahrgang 1934 | © Piffl Medien

Die Freiheit des dokumentarischen Kinos

„Die Freiheit im Gucken ist das, wofĂŒr ich ins dokumentarische Kino gehe. Und ich finde diese Freiheit ist seltener geworden. Sie nimmt ab, nicht zu.“

Sebastian Winkels

Sebastian und Simon berichten, wie herausfordernd es durchaus sein kann Dokumentarfilmprojekte zu realisieren, die kein eindeutiges Ergebnis prognostizieren können. Aber welcher Dokumentarfilm kann das schon? Dabei fordert gerade die Form des Direct Cinema, nicht nur das Publikum auf mĂŒndig zu sein – sich in den Diskurs zu begeben, um eine eigene Antwort zu diskutieren – sondern schon die potenziellen Produzent*innen, Geldgeber*innen werden dazu aufgefordert, Ă€hnlich wie bei einem wissenschaftlichen Projekt, den Ausgang ergebnisoffen anzugehen. Nur so ist eine kĂŒnstlerische Forschung im Sinne des Direct Cinema ĂŒberhaupt möglich. Nur so können andere Wege gefunden werden, das Unbeschreibbare beschreibbar zu machen, das Unerfahrbare erfahrbar und das Unsichtbare sichtbar.

Unsere GĂ€ste

Simon BrĂŒckner
Regisseur
Webseite – LINK
Crew United – LINK
Eine deutsche Partei (Webseite) – LINK
Eine deutsche Partei (Podcast) – LINK

Sebastian Winkels
Regisseur
Crew United – LINK
7BrĂŒder – LINK
Mein schönes Leben (Nicht alles schlucken) – LINK
Talking Money – LINK

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#60 | Hybridformen des Dokumentarischen
#10 THE CASE YOU | Panel Diskussion

„Ich will mal Regiesseur*in werden!“

Der große Traum vom Film fĂ€ngt nicht selten bei dem Berufswunsch der Regie an. Als Regiesseur*in einen Film drehen. Mit der offensichtlichste oder eben bekannteste Beruf hinter der Kamera. Doch wie gestalten sich die Wege einzelner Filmschaffenden, die einst mit dem gleichen Berufswunsch angefangen haben? 

Jana Sterneckert (Script Continuity) und Nils StrĂŒven (Regieassistenz) berichten uns heute von ihrem Werdegang und ihrem Berufsalltag. Wie hat sich ihr Weg entfaltet und wie hat sich ihre Haltung zum ursprĂŒnglichen Berufswunsch verĂ€ndert? Welche FĂ€higkeiten sind fĂŒr die AusfĂŒhrung einer Regieassistenz oder eines Script-Supervisors essenziell?

Regieassistenz und Script Continuity, der Set-Alltag verbirgt viele spannende Berufe.
Setalltag – Was gibt es abseits der Regie noch fĂŒr spannende Berufsgruppen?

FachkrĂ€ftemangel allgegenwĂ€rtig! Ausbildungskonzepte eher spĂ€rlich…

Wir sprechen mit den beiden auch ĂŒber ihre individuellen Ausbildungswege. Was haben sie erlebt und als gut empfunden? Was wĂŒrden sie sich rĂŒckblickend von der Branche wĂŒnschen? Inwiefern ist die Filmbranche darauf ausgerichtet, diese wichtigen Berufsgruppen nicht nur als Autodidakten oder proaktive Quereinsteiger zu empfangen, sondern institutionell auszubilden?

In unserer letzten Folge #123 | FachkrÀftemangel: Wege aus einer aufkommenden Krise berichteten wir, welche aufkommenden Konzepte von einzelnen Institutionen gerade in ihrer Pilotphase stecken, um dem bestehenden FachkrÀftemangel entgegenzuwirken. Hört auch hier gerne noch mal rein!

Auch das Thema BerufsverbĂ€nde ist fĂŒr unsere GĂ€ste ein wichtiger Punkt. Wie wichtig ist es, sich in BerufsverbĂ€nden zu engagieren? Sein Wissen mit anderen zu teilen, um durch mehr SolidaritĂ€t bestehende MissstĂ€nde innerhalb der Branche aufzudecken und gestĂ€rkt neu zu verhandeln, ist wichtiger denn je.

Jana und Nils geben uns einen Einblick in ihre gesammelten Erfahrungen und ihre persönliche Meinung. Bspw. wie gut eigenen sich Serien um Trainees auszubilden? Wie realistisch ist es, innerhalb dieser Berufsgruppen auch noch im hohen Alter zu arbeiten? Wie gut sind Familie & Beruf miteinander zu vereinbaren?

Ihr wollt noch mehr Input von Jana und Nils? Dann hört euch den Directors Cut an und unterstĂŒtzt uns auf Steady! Wie das geht? Einfach auf Steady ein Abo deiner Wahl abschließen und den exklusiven Content hören. Weitere Infos findest du hier!

Eine Umfrage die Aufschluss ĂŒber den FachkrĂ€ftemangel geben soll

Am 31.05.2022 startete der Weiterbildungsverbund Media Collective eine Umfrage zum FachkrÀftemangel und dem Weiterbildungsbedarf im Filmproduktions- und Postproduktionsbereich. Koordiniert wird die Umfrage vom Erich Pommer Institut. Eine wichtige Umfrage, um aus der Perspektive der Produzent*innen und der Arbeitnehmer*innen bzw. SelbststÀndigen die Perspektive auf den gegenwÀrtigen FachkrÀftemangel, die akuten Weiterbildungsbedarfe und die dazugehörigen Rahmenbedingungen sichtbar zu machen.

Mitmachen könnt ihr ĂŒber folgende Links – Die digitale Umfrage dauert ca. 20 min.:

Zum Fragebogen fĂŒr Produzent*innen / Unternehmen
Zum Fragebogen fĂŒr Filmschaffende

Mehr Informationen zum Media Collective findet ihr hier – LINK

Unsere GĂ€ste

Jana Sterneckert
Script Continuity
Crew United – LINK

Nils StrĂŒven
Regieassistenz
Crew United – LINK
Webseite – LINK

WeiterfĂŒhrende Links:

Assistent Director Union (ADU) – LINK
Berufsverband Script Supervisor – LINK
Bundesverband Regie – LINK
Verband österreichischer Regieassistent*innen, AD’s und Script Supervisor – LINK
Artikel: „Systemwechsel: Regieassistenz oder Assistent Director?“ von Peter Hartig (out takes) – LINK

Ähnliche Folgen:
#123 | FachkrÀftemangel: Wege aus einer aufkommenden Krise
DFFB Session | “What is Showrunning?”

Heutzutage wird soviel gedreht wie nie in der Filmbranche zuvor. Dies ist auf der einen Seite ein Segen, da man als filmschaffende Person, eine gute Möglichkeit hat durchgĂ€ngig zu arbeiten. Auf der anderen Seite zeigt uns diese „Welle“ an Produktionen aber auch, dass wir bei dem Thema FachkrĂ€fte – Regieassistent*innen, Kameraassistent*innen, Boomoberator*innen, Make-upartist*innen, Gardrobier*innen etc. in den Jahren zuvor in dem Ausbau von Nachwuchs nachlĂ€ssig gewesen sind. Produktionen beklagen, dass sie Projekte wegen fehlender Crew-Mitglieder*innen absagen oder verschieben mĂŒssen. Aber wie gehen wir damit um? Warum ist dieses Thema auch im Independentfilmmaking so wichtig zu betrachten und LösungsansĂ€tze zu finden?

FachkrÀftemangel in der Filmbranche

Die Filmbranche und der FachkrÀftemangel

In unserem heutigen GesprĂ€ch reden wir ĂŒber den FachkrĂ€ftemangel in der deutschsprachigen Filmbranche. Mit unseren GĂ€sten Joachim Kosack (GeschĂ€ftsfĂŒhrer UFA) und Anna Schoeppe (GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Hessen Film) schauen wir uns an, warum das Fehlen von FachkrĂ€ften fĂŒr eine international agierende Industrie, wie die deutschsprachige Filmbranche, heikel sein kann und reden ĂŒber Möglichkeiten, um den Film und die Arbeit an diesem zugĂ€nglicher zu gestalten. ZusĂ€tzlich schauen wir uns verschiedene LösungsansĂ€tze an.

UFA Academie

Seit 2022 möchte die UFA mit der „UFA Academy“ gezielt FachkrĂ€fte fĂŒr die Filmbranche ausbilden und somit den Einstieg in die Filmbranche erleichtern. Ab Mai 2022 bilden sie in ihrem zwei-jĂ€hrigen Programm Quereinsteiger*innen fĂŒr die Bereiche Aufnahmeleitung, FilmgeschĂ€ftsfĂŒhrung, Regieassistenz und Script/Continuity aus und bereiten diese theoretisch wie praktisch auf die Arbeit am Set vor. Mehr Informationen zur „UFA Academie“ findet ihr auf der Webseite – LINK

Branchenqualifizierungs- und Weiterbildungsprogramm STEP

Das Programm STEP von der Filmförderung „HessenFilm und Medien“ startete bereits 2020 und unterstĂŒtzt Studierende, Film- und Medien Alumni sowie Quereinsteiger*innen bei der Qualifizierung in der Filmbranche. Bei dem Programm werden Produktionsfirmen bezuschusst, die Programmteilnehmer*innen in ihren Projekten mit aufnehmen, Weiterbildungen fĂŒr die Teilnehmer*innen monetĂ€r unterstĂŒtzt und Autor*innenstipendien vergeben. Das Programm möchte somit Nachwuchsförderung mit der Standortförderung verbinden. – Mehr zu STEP findet ihr auf der Webseite von „HessenFilm und Medien“ – LINK

Eine Umfrage die Aufschluss ĂŒber den FachkrĂ€ftemangel geben soll

Am 31.05.2022 startete der Weiterbildungsverbund Media Collective eine Umfrage zum FachkrÀftemangel und dem Weiterbildungsbedarf im Filmproduktions- und Postproduktionsbereich. Koordiniert wird die Umfrage vom Erich Pommer Institut. Eine wichtige Umfrage, um aus der Perspektive der Produzent*innen und der Arbeitnehmer*innen bzw. SelbststÀndigen die Perspektive auf den gegenwÀrtigen FachkrÀftemangel, die akuten Weiterbildungsbedarfe und die dazugehörigen Rahmenbedingungen sichtbar zu machen.

Mitmachen könnt ihr ĂŒber folgende Links – Die digitale Umfrage dauert ca. 20 min.:

Zum Fragebogen fĂŒr Produzent*innen / Unternehmen
Zum Fragebogen fĂŒr Filmschaffende

Mehr Informationen zum Media Collective findet ihr hier – LINK

Unsere GĂ€ste

Joachim Kosack
GeschĂ€ftsfĂŒhrer UFA GMBH | UFA SERIAL DRAMA GMBH
Webseite – LINK

Anna Schoeppe
GechĂ€ftsfĂŒhrein HessenFilm und Medien GmbH
Webseite – LINK

Ähnliche Folgen:
#119 | Intime Szenen richtig koordinieren
#92 | Crossover: Brainflicks meets Indiefilmtalk
#61 | DiversitÀt im Film: Noch immer ein Mythos?

Podcast
31. MĂ€rz 2022

Was macht eine IntimitĂ€tskoordinatorin? Und was genau ist ein Nudity Rider? Es ist ganz selbstverstĂ€ndlich, dass es bei kleinen und großen Stunts Expert*innen am Filmset braucht. Egal, ob es sich um einen kleinen Sturz oder eine intensive Kampfsequenz mit Explosionen handelt – alles muss sicher koordiniert und einstudiert sein. Stuntkoordinatoren sind hier gefragt und ĂŒbernehme teilweise auch die Parts der Schauspieler*innen, wenn es zu heikel wird. Bei intimen Szenen – Szenen, bei denen nackte Haut zu sehen ist oder intime Handlungen gezeigt werden – ist das noch nicht die Regel.

Unsere heutige GĂ€stin ist die erste IntimitĂ€tskoordinatorin in Deutschland – Julia Effertz. Sie berichtet von ihrem Werdegang und der Relevanz der IntimitĂ€tskoordination. Als IntimitĂ€tskoordinatoren agiert sie hĂ€ufig schon weit vor dem Drehbeginn: Angefangen von der Entsexualisierung einzelner Drehbuchzeilen bis hin zum Closed-Set beim Dreh begleitet sie die intimen Szenen.

Vom Schauspiel zur IntimitÀtskoordinatorin

Über das Schauspiel kam sie zu einem Workshop in London bei Ita O’Brien. Bei der britischen Regisseurin und Vorreiterin des Berufsfeldes des Initimacy Coordinators lernte sie die „Intimacy On Set Guidlines“ kennen und ließ sich als Intimacy Coordinator ausbilden. Ita O’Brien startete mit ihren Workshops und VortrĂ€gen eine wichtige und weiterhin anhaltende Bewegung innerhalb der Filmszene. Es geht darum, Sichtbarkeit und Bewusstsein fĂŒr die essenzielle Arbeit der IntimitĂ€tskoordination zu stĂ€rken. Die Wunden einer unerprobten Kampfszene ohne Stuntmen und Stuntwomen sind schnell zu erkennen. Die tief liegenden Wunden bei einer nicht koordinierten intimem Szenen sind unsichtbar, leicht zu verkennen und ziehen schwere Folgen mit sich.

Im Zuge des Weinstein-Falls und der daraus entstandenen #metoo Bewegung ist ein bewussterer Umgang in der Filmszene schon zu erkennen. Doch der Weg, bis die Rolle der IntimitĂ€tskoordinator*in die Norm sind, ist noch weit. DafĂŒr braucht es noch einige UnterstĂŒtzer*innen, mehr Produzent*innen und Regisseur*innen, die IntimitĂ€tskoordinator*innen mit einplanen und deren Expertise einfordern, einen Ausbildungsort, um IntimitĂ€tskoordinator*innen zu zertifizieren und Menschen, die diesen Beruf ausĂŒben. Aber der erste und wichtigste Schritt ist schon mal getan – eine IntimitĂ€tskoordinatorin ist schon mal da!

ErgĂ€nzung: Im Dezember 2021 erweiterte sich der Berufsverband Kampfchoreografie e.V. um die IntimitĂ€tskoordination. Die Erweiterung des neuen Bereichs wird zur Zeit von drei weiteren IntimitĂ€tskoordainator*innen gestaltet: Paula Alamillo Rodriguez, Cornelia Dworak, Florian Federl.

Unsere GĂ€stin

IntimitÀtskoordinatorin Julia Effertz zu Gast beim Indiefilmtalk Podcast
Julia Effertz | Foto: Teresa Marenzi

Julia Effertz
Schauspielerin / IntimitÀtskoordinatorin
Webseite: https://www.juliaeffertz.com
Crew United (IntimitĂ€tskoordinatorin) – LINK
Crew United (Schauspielerin) – LINK

WeiterfĂŒhrende Links:

Australien | Equity Intimacy Guidelines – LINK

Canada | KĂŒnstlergewerkschaft Actra – LINK

Finnland | IntimitĂ€ts-Richtlinien der Finnischen Filmförderung – LINK

Großbritannien | Richtlinien des Regieverbandes Directors UK – LINK

Großbritannien | Intimacy on Set Richtlinien – LINK

Großbritannien | Intimacy for Stage and Screen Richtlinien – LINK

Großbritannien | ICDN International Casting Directors Network – LINK

Neuseeland | Equity Guidelines – LINK

USA | KĂŒnstlergewerkschaft SAG-Aftra – LINK

Ähnliche Folgen:
#114 | THE CASE YOU: Film.Macht.Strukturen
#104 | Casten: Mit GefĂŒhl und Weitblick
#102 | Vielfalt im Film: Zahlen stÀrken DiversitÀt

Podcast
1:12 STUNDEN
4. November 2021

Das Drehbuch ist die Grundlage fĂŒr jeden Film oder jede Serie. Ohne das geschriebene Wort, die ausformulierten Charaktere und die kreierte Welt, gibt es in der Regel nicht viel, was einen Film spĂ€ter ausmacht. Umso wichtiger ist es sich als Filmemacher*in oder Drehbuchautor*in weiter zu entwickeln und das Handwerk des Schreibens durch regelmĂ€ĂŸiges ĂŒben auszubauen.

Aber wie verbessert man das Schreibhandwerk? Und habt ihr schonmal darĂŒber nachgedacht, einfach drauf loszuschreiben und zu schauen was ihr fĂŒr spannende Geschichten in relativ kurzer Zeit umsetzen könnt?

Club23 – Ein Drehbuch in 23 Tagen schreiben – Geht das?

In unserer heutigen Folge reden wir mit den Drehbuchautoren Professor Robert Krause und Professor Florian Puchert ĂŒber den Weg zum fertigen Drehbuch. In unserem GesprĂ€ch schauen wir uns Techniken an, die helfen können schnell kreative zu arbeiten, reden ĂŒber Tricks die helfen können die Angst vor der Weißen-Seite zu verlieren und darĂŒber warum es auch mal gut sein kann regelmĂ€ĂŸig Skripts fĂŒr die eigene Schublade zu produzieren. Mit Club23 haben Florian und Robert nach langjĂ€hriger Arbeit als Drehbuchautoren ein spannendes Seminarprogramm fĂŒr Drehbuchautor*innen entwickelt, welches den Teilnehmenden wichtige Impulse fĂŒr das Schreibhandwerk bietet und zusĂ€tzlich die teilnehmenden Autor*innen befĂ€higt einen 1. Draft ihres Drehbuchs innerhalb von 23 Tagen fertig zu stellen. Neben dem Drehbuchseminar Vor-Ort bieten Florian und Robert auch Online-Kurse an. Hier habt ihr neben dem Drehbuchprogramm auch die Möglichkeit bei einem Treatmentprogramm von 5 intensiven Tagen teilzunehmen. Mehr Informationen zu Club23 findet ihr auf der Webseite – LINK

v.l. Prof. Florian Puchert, Robert Kraause

Robert Krause
Drehbuchautor/Regisseur
Scenario (Agentur) – LINK
BĂŒcher – LINK

Florian Puchert
Drehbuchautor
CrewUnited – LINK
freeX (Agentur) – LINK

Club23 Treatment in 5 Tagen

Falls ihr Interesse habt das Online-Treatmentprogramm von Club23 mit einem aktuellen Stoff von euch auszuprobieren haben wir fĂŒr euch noch einen Code. Mit dem Indiefilmtalkcode INDIE23 erhaltet ihr 30% Rabatt auf den Kurs – Link zu Club23

4 Buchtipps von Florian und Robert:

Die Kunst des Drehbuchlesens | Oliver SchĂŒtte – LINK

Die 1% Methode | James Clear – LINK

Der Weg des KĂŒnstlers | Julia Cameron – LINK

Drehbuchschreiben | Linda Seger – LINK

Save the Cat!: The Last Book on Screenwriting You’ll Ever Need | Blake Snyder – LINK

Spannende DrehbĂŒcher zum lesen:

Unsere Sammlung mit spannenden DrehbĂŒchern zum lesen – LINK

Podcast
1:16 STUNDEN
1. Juli 2021

Script development is predominantly an activity focused on writing and re-writing.  (
) Re-writing starts with the feedback of others, at this point the writer needs to step back from his work, allowing others to read, comment, possibly suggest (sometimes even demand) changes. This can be a tortuous moment for writers.

Franz Rodenkirchen: „Trusting Ariadne’s thread

Egal ob im Team oder allein, der Prozess der Drehbuchentwicklung ist sensibel. Wie lese ich das Drehbuch einer anderen Person? Wie gebe ich konstruktiv Feedback? Was genau macht ein Script-Consultant?

Die hohe Kunst des wertschĂ€tzenden, konstruktiven Feedbacks ist zwar in aller Munde, aber bei weitem sind kaum grundlegenden Feedbackregeln bekannt, geschweige denn werden sie angemessen angewendet. Doch welche Form des Feedbacks kann fĂŒr die ungewöhnliche Textform des Drehbuchs angewendet werden? Was ist sinnvoll – fĂŒr das Drehbuch und die Drehbuchautor*innen? Was ist hilfreich fĂŒr den kreativen Schaffensprozess?

Weg von qualitativen Statements und weg von formelhaften Aussagen berichten uns Script-Consultant Françoise von Roy und Franz Rodenkirchen von ihrer Kerntechnik dem Spiegeln. Außerdem erzĂ€hlen sie uns, was fĂŒr sie in der Zusammenarbeit mit Drehbuchautor*innen wichtig ist.

Script-Consultant Franz Rodenkirchen und Françoise von Roy von solace23 Indiefilmtalk Podcast mit Susanne Braun
Script Cosultant: Franz Rodenkirchen und Françoise von Roy | Foto © solace23

Françoise von Roy
Script Consultant
Webseite – LINK

Franz Rodenkirchen
Script Consultant
Webseite – LINK

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#01 Livetalk Master School Drehbuch | Zwei Köpfe eine Sprache
#07 Livetalk Master School Drehbuch | Writing on HAUSEN

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