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#197 – Impact Producing: Wie Filme gesellschaftliche Wirkung entfalten

9. April 2026

Kann Kunst die Welt verändern? Es klingt wie eine utopische Frage, die viele wohl spontan verneinen würden. Für Impact Producer ist es jedoch das erklärte Ziel, denn Filme und ganz besonders Dokumentarfilme besitzen ein stark aktivistisches Potential. Sie schaffen Sichtbarkeit und Bewusstsein für gesellschaftliche Missstände und Konflikte. Sie bilden Empathie durch Ihre Nähe zu den jeweiligen Protagonist*innen. Filme füllen einen kleinen, aber intensiven Moment in der Lebenszeit eines Menschen und in dieser Zeit wird man in eine völlig andere Lebensrealität katapultiert, die der eigenen unter Umständen sehr fern ist.

KI-Generiert

Was ist Impact Producing und wie funktioniert das?

Wie Impact Producing genau funktioniert und wie sich sein Erfolg jenseits klassischer Vermarktungskennzahlen messen lässt – darüber sprechen wir heute mit Lisa Nawrocki. Anders als bei der klassischen Filmproduktionsarbeit und Verleiharbeit steht beim Impact Producing nicht die Zuschauerzahl im Mittelpunkt, sondern die gesellschaftliche Wirkung eines Films. Es geht darum, seine Sichtbarkeit gezielt innerhalb relevanter Zielgruppen zu erhöhen und damit einen echten Wandel anzustoßen. Das verlängert auch die Lebensdauer eines Films: Wer ihn immer wieder als Gesprächsgrundlage zu einem bestimmten Thema einsetzt, hält ihn lebendig. Möglich wird das vor allem durch die enge Kooperation mit Akteur*innen, die in dem Feld aktiv sind, das der Film thematisiert.

Wie misst man den Erfolg einer Impact-Kampagne?

Orientierung bietet das Modell der fünf Impact Dynamics: das Erweitern von Bewusstsein (Changing Minds), das Anstoßen von Verhaltensänderungen (Changing Behaviors), das Zusammenbringen von Menschen (Building Communities), das Verändern von Strukturen (Changing Structures) sowie das Vorantreiben von Innovation (Driving Innovation). Wer tiefer einsteigen möchte, findet im frei zugänglichen Impact Field Guide der Doc Society einen Leitfaden, der zur Orientierung dient.

Ein Projekt, das von Anfang an auf Wirkung setzte

Der Dokumentarfilm Im Prinzip Familie von Daniel Abma ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Impact Producing in der Praxis aussieht. Von Beginn an verfolgte der Regisseur das Ziel, die Arbeit von Erzieher*Innen in Wohneinrichtungen sichtbar zu machen – also in jenen Einrichtungen, in denen Kinder betreut werden, die für eine gewisse Zeit oder dauerhaft nicht bei ihrer Familie leben können. Noch vor der Veröffentlichung wurden gezielte Screenings organisiert, zu denen Vereine, Träger und Organisationen aus den Bereichen Pädagogik und Jugendarbeit eingeladen wurden. In diesem Rahmen wurde gemeinsam ausgelotet, welche konkreten Wirkungen der Film entfalten kann – und wie diese aktiv zu gestalten sind. Die Ergebnisse sind greifbar: mehr Wertschätzung für die Arbeit von Erzieherinnen, die Entstigmatisierung rund um das Thema Fremdunterbringung und sogenannte Careleaver*Innen – also Menschen, die in Pflege- oder Wohneinrichtungen aufgewachsen sind – sowie die Mobilisierung weiterer Fördermittel. Diese Wirkungen sind kein Nebenprodukt des Films, sondern das Ergebnis gezielter Impact Productions.

©Dokumentarfilm: Im Prinzip Familie von Daniel Abma

Am Beispiel des Dokumentarfilms “Im Prinzip Familie” zeigt sich eindrücklich, welche Kraft dem Impact Producing innewohnen kann. Ursprünglich waren 20 Veranstaltungen geplant – bis Ende 2026 werden es rund 110 sein. Die eigenen Erwartungen wurden damit deutlich übertroffen.

Geht Impact Producing auch für fiktionale Filme?

Theoretisch lässt sich Impact Producing auch auf fiktionale Formate anwenden. Was den Dokumentarfilm jedoch auszeichnet, ist häufig der aktivistische Ansatz, der ihm innewohnt – ein Wille zur Veränderung, der sich unmittelbar in der Entstehung des Films ausdrückt. Genau das macht ihn zum besonders geeigneten Träger für gesellschaftlich wirksame Kampagnen.

Dennoch lohnt sich die Frage auch für Filmschaffende aus dem fiktionalen Bereich: Wo berührt das eigene Projekt ein gesellschaftlich relevantes Thema – und könnte Impact Producing hier eine sinnvolle Erweiterung der Vermarktungsstrategie sein?

Gast

Lisa Nawrocki | Impact Producerin & Leiterin des UNESCO Creativ City of Film Podsdam  LINK

Lisa Nawrocki studierte Digitale Medienkultur (B.A.) und Medienwissenschaft (M.A.) an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Nach drei Jahren Festivalerfahrung in der Programm- und Marketingabteilung des Internationalen Studentenfilmfestivals Sehsüchte übernahm sie die Festivalleitung für die Ausgabe in 2020. Seit 2019 leitet sie das Büro der UNESCO Creative City of Film Potsdam. Bei Bandenfilm ist sie seit 2023 in Teilzeit als Produktionsassistenz und IMPACT-Producerin für den Dokumentarfilm IM PRINZIP FAMILIE (2024) von Daniel Abma tätig.

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