Die Arbeit eines Filmverleihers ist vielseitig. Sie umfasst Sichtung, Vermarktung und Auswertung eines Films im Kino, auf Streaming-Plattformen oder im Fernsehen. Im Independent Bereich ist sie besonders herausfordernd: Die Budgets sind kleiner, die Reichweite erfordert deutlich mehr Einsatz.
In unserer heutigen Folge sprechen wir mit Björn Kroll, Geschäftsführer des Salzgeber Filmverleihs, über die Spezifik dieses Berufs, insbesondere im Nischenbereich Queer Cinema. Seit über 40 Jahren bringt Salzgeber Filme mit diesem Schwerpunkt in die Öffentlichkeit.

Eine Mission im Kino
1985 gründete Manfred Salzgeber den Verleih mit der Absicht, queeren Menschen eine Repräsentation in der Filmlandschaft zu geben. Zu dieser Zeit lag der Fokus vor allem auf die Auseinandersetzung mit der Krankheit AIDS. Filme zu diesen Themen zu fördern, hatte weniger kommerzielle als kulturelle und aktivistische Ziele, die bis heute eine wichtige Rolle spielen. Denn der Film bot damals wie heute eine Chance, Millionen Menschen zu erreichen und zu informieren. Bis heute sind es nicht die ökonomischen Aspekte, die entscheidend sind. Salzgeber möchte einen Beitrag dazu leisten, queeren Menschen eine Stimme zu geben und auch schwierige Themen einem Filmpublikum zuzumuten.
Handwerk unter Druck
In den Anfangsjahren betreute der Verleih vier bis fünf Filme pro Jahr mit persönlichem Einsatz vor Ort – direkt in den Kinos und im Kontakt zu Publikum und Programmierern. Heute sind es 30 bis 40 Filme. Die Arbeit hat sich in eine schnellere Taktung aus Untertiteln, Artwork und Pressematerialien gewandelt, die um journalistische Sichtbarkeit kämpft. Salzgeber bemüht sich, die Leidenschaft für jeden Film zu bewahren – trotz deutlich schwieriger werdender Rahmenbedingungen. Das Online-Magazin Sissy betreibt Salzgebers zusätzlich seit vielen Jahren, um der schwindenden journalistischen Berichterstattung über queere Filme entgegenzuwirken und schafft damit einen Ort, an dem echte Filmkritik existieren kann.

Auch die deutsche Filmförderung stellt Verleiher vor Herausforderungen. Zwar wurde sie ausgebaut, doch ihre Anforderungen sind komplex geworden und wälzen finanzielle Lasten auf Verleiher ab. Ein Nischenfilm erreicht vielleicht 2.000 Zuschauer – oft nicht kostendeckend. Trotzdem bringt Salzgeber solche Filme heraus, weil sie wissen, dass diese Arbeit zählt und das Publikum dafür existiert. Sei es in Mediatheken, in Programmkinos oder Streaming-Diensten. Die Menschen finden immer einen Weg zu den Filmen.
Inventing Queer Cinema – Ausstellung
Seit dem 7.5. und noch bis zum 13.9.26 gibt es in der Deutschen Kinemathek eine Ausstellung mit dem Titel Inventing Queer Cinema. Björn Koll hat diese mitentwickelt und kuratiert. Sie erzählt von den Geschichten, Erfahrungen und Lebensrealitäten queerer Menschen – meist abseits normativer Erwartungen und gesellschaftlicher Ordnungen. Dabei hinterfragt es oft auch filmische Konventionen und entwickelt eigene, widerständige Formsprachen. Im Zentrum der Ausstellung stehen Filme und Filmarbeitende, die seit den 1970er-Jahren das queere Kino in Deutschland geprägt und immer wieder neu erfunden haben. Ergänzend beleuchtet die Schau die besondere Bedeutung Berlins als Ort queerer Film- und Subkultur.
Gäste
Björn Koll | Verleiher- LINK
Björn Koll ist Cineast und Chronist und Geschäftsführer von „Salzgeber“ Verleih.
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