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Filmwissenschaft und -theorie: ein kleiner Guide (1)

6. April 2020

Filmwissenschaft und -theorie verstehen: Ein kleiner Guide (1)

Filmwissenschaft: alles nur trockene Theorie und Analyse? Nein, keineswegs, denn diese Disziplin ist so vielseitig, dass sie sich einer ganzen Reihe von Fragen widmet, die nicht nur für Theoretiker*innen spannend sind. Themen, die sich innerhalb der Kritik immer wieder finden, beschäftigen auch die Wissenschaft: z.B. Welche Weltsicht steckt hinter einer filmischen Story? Und was erzählt uns das über unsere reale Gesellschaft? Neben der Analyse und Theorie ist auch die Filmgeschichte ein Teil der -wissenschaft.  Ein wenig Basis-know-how kann für jede*n Filmschaffenden inspirierend sein, denn bestimmte Praxen sowie Werke aus der Vergangenheit können die Möglichkeiten und Funktionen des Mediums bewusster werden lassen. Es lässt sich z.B. fragen: Wie entstand in den 1950er die Nouvelle Vague oder knapp ein Jahrzehnt später die Bewegung des New Hollywood? Gibt es Filme weiblicher Regisseurinnen aus der Pionierzeit, die noch erhalten sind? Ein kleiner Guide:

© Bildstörung

Film als Kunstform?

Apropos Pionierzeit. Die ersten Theorien zum filmischen Medium entstanden bereits parallel zu dessen erstem Einsatz im 19. Jahrhundert. Damals tourte der frisch erfundene Kinematograph noch auf Jahrmärkten, wo er sein Publikum mithilfe der – aus heutiger Sicht – einfachsten Mittel faszinierte. Dabei wurden sowohl fiktive Szenen als auch dokumentarische Aufnahmen geboten. Unter den Menschen, die sich theoretisch mit der neuen Technik auseinandersetzen, fanden sich meist Kritiker*innen und Künstler*innen. Besonders hoch im Kurs stand bereits zu Beginn die Frage danach, ob der Film als Kunstform begriffen werden kann oder ob er als simples Abbild der Realität fungiert: Formalismus vs. Realismus. Ab den 1920ern erforschten sowjetische Montagetheoretiker, wie mithilfe des Schnitts und der Gestaltung beim Rezipierenden bestimmte Effekte und Reaktionen ausgelöst werden können. Sie fokussierten auf formal-ästhetische Strategien und Effekte (z.B die Filmemacher Sergej Eisenstein, Lev Kulešov). Theoretiker wie André Bazin und Siegfried Kracauer hingegen untersuchten Filme mehr auf ihren Realismusgehalt und ihre gesellschafts-politische Funktion hin.

© sixpackfilm

Theorie und Filmschaffen vereint

André Bazin war auch als Kritiker tätig und begründete in den 1950ern die französische Zeitschrift Cahiers du Cinema mit. Er inspirierte seine schreibenden Kollegen, die in Folge als Filmemacher die Nouvelle Vague begründeten (Claude Chabrol, Jean-Luc Godard, François Truffaut u.a.). In ihren Filmen verband die neue Welle filmische Praxis mit theoretischem und historischem Wissen. Die Filmschaffenden setzten sich mit Hollywoods Genretechniken und dem italienischen Neorealismus auseinander und proklamierten eine politique des auteurs: einem Film sollte der persönliche Ausdruck eines/einer Künstler*in verliehen werden. Damit inspirierten sie viele nachfolgende filmische Erneuerungsbewegungen.

Hier geht’s weiter zu: Teil 2

Titelfoto von Luis Quintero von Pexels

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