Musik ist Emotion – sie kann Gefühle nicht nur untermalen, sondern auch erschaffen. Im Film beeinflusst sie eine Szene so stark, dass ein und dieselbe Einstellung völlig unterschiedlich wahrgenommen und gedeutet werden kann. Genau darin liegt ihre Kraft als Erzählmittel: Musik lässt sich im Storytelling auf vielfältigste Weise einsetzen.

Ein neues Indiefilmtalk Format beim Filmfest München
In unserer heutigen Folge – live aufgezeichnet beim diesjährigen Filmfest München – widmen wir uns einem neuen Format: „Speaking in Sound“. In diesem partizipativen Werkstattgespräch beschäftigen wir uns mit der essenziellen Frage, wie man Musik in der Filmbranche eigentlich kommuniziert und wie Sound und Musik gemeinsam Geschichten erzählen. Neben unseren regulären Folgen ist es uns ein Anliegen, durch solche Workshop-Formate den Austausch, die Vernetzung und den Open-Source-Gedanken innerhalb der Branche zu stärken. Gemeinsam mit unserem Gast, dem Filmkomponisten Florian Tessloff, und der Komponistin Rickie Lee Kroll blicken wir tief in die Werkstatt der Filmmusik, was nicht nur für Regie und Komposition, sondern für alle Gewerke spannende Impulse liefert.

Am Beispiel des Films „Blackbird“ (Regie: Max Zähle) beleuchtet Florian Tessloff die Herausforderungen einer Produktion, die ursprünglich als 15-Millionen-Euro-Kinofilm geplant war, aufgrund teurer Musiklizenzen (u. a. David Bowie) jedoch als Fernsehfilm für den HR realisiert wurde. Florian erzählt eindrücklich, warum er dennoch hartnäckig für ein Recording-Budget kämpfte, um mit dem Budapest Art Orchestra echte Streicher aufzunehmen, da digitale Samples gegen die emotionalen „Weltsongs“ im Film nicht bestanden hätten. Wir sprechen über die enge Verzahnung von Sounddesign und Musik, den Mut, bei fehlenden Mitteln auch mal „Nein“ zu einem Projekt zu sagen, und warum eine Kommunikation über Emotionen statt Fachterminologie der Schlüssel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Regie und Komposition ist. Letztlich geht es darum, gemeinsam einen Klang zu entwickeln, der die Vision der Regieperson lebendig werden lässt.

Zwischen Handwerk und Haltung
Darüber hinaus sprechen wir über den Prozess des Komponierens selbst: vom ersten Lesen des Drehbuchs über das Entwickeln einer ersten Klangwelt bis zur finalen Ausgestaltung des Scores. Dabei stellt sich auch die Frage, in welchen Momenten es sinnvoll sein kann, ganz auf Musik zu verzichten.
Und schließlich geht es auch um die Rolle von künstlicher Intelligenz, die nicht ausgeblendet werden sollte. Im Schreibprozess lehnt Florian die Nutzung von KI klar ab, da das Komponieren und Orchestrieren für ihn untrennbar mit dem persönlichen Schöpfungsprozess verbunden ist. Als technisches Werkzeug hingegen, etwa beim Stem-Splitting oder in Mastering-Assistenten erkennt er in KI durchaus Potenzial.
Am Ende wird deutlich, dass Musik im Film kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen, respektvollen Zusammenarbeit ist. Dies stärker in den Fokus zu rücken und das Bewusstsein für diesen Prozess in der FIlmarbeit zu stärken ist auch das Ziel des Formats „Speaking in Sound“.
Gäste
Florian Tessloff | Komponist – Link
Florian Tessloff ist deutscher Komponist, Produzent und Pianist und lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin. Seine Arbeiten für Film und Fernsehen wurden vielfach gewürdigt – darunter eine Oscar-Nominierung sowie Auszeichnungen mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Musikautorenpreis. Ausgebildet in Jazz, Klassik und elektronischer Musik, studierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg sowie am Berklee College of Music in Boston.
Rickie Lee Kroell | Komponistin – Link
Rickie Lee Kroell ist Komponistin und Songwriterin mit einem vielseitigen Werk zwischen orchestraler, filmischer und experimenteller Musik. Sie studierte am Berklee College of Music (BA ’14, Klassische Komposition) sowie an der University of Southern California (MA ’17, Screen Scoring) und arbeitete anschließend als freiberufliche Komponistin in Los Angeles. Rickie Lee schreibt mitreißende, gefühlvolle Kompositionen für Film, Medien und Konzert
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