Podcast
1 STUNDE

#202 – Speaking in Sound: Wie man Musik kommuniziert und für künstlerische Visionen kämpft

12. Juli 2026

Musik ist Emotion – sie kann Gefühle nicht nur untermalen, sondern auch erschaffen. Im Film beeinflusst sie eine Szene so stark, dass ein und dieselbe Einstellung völlig unterschiedlich wahrgenommen und gedeutet werden kann. Genau darin liegt ihre Kraft als Erzählmittel: Musik lässt sich im Storytelling auf vielfältigste Weise einsetzen.

Ein neues Indiefilmtalk Format beim Filmfest München

In unserer heutigen Folge – live aufgezeichnet beim diesjährigen Filmfest München – widmen wir uns einem neuen Format: „Speaking in Sound“. In diesem partizipativen Werkstattgespräch beschäftigen wir uns mit der essenziellen Frage, wie man Musik in der Filmbranche eigentlich kommuniziert und wie Sound und Musik gemeinsam Geschichten erzählen. Neben unseren regulären Folgen ist es uns ein Anliegen, durch solche Workshop-Formate den Austausch, die Vernetzung und den Open-Source-Gedanken innerhalb der Branche zu stärken. Gemeinsam mit unserem Gast, dem Filmkomponisten Florian Tessloff, und der Komponistin Rickie Lee Kroll blicken wir tief in die Werkstatt der Filmmusik, was nicht nur für Regie und Komposition, sondern für alle Gewerke spannende Impulse liefert.

Am Beispiel des Films „Blackbird“ (Regie: Max Zähle) beleuchtet Florian Tessloff die Herausforderungen einer Produktion, die ursprünglich als 15-Millionen-Euro-Kinofilm geplant war, aufgrund teurer Musiklizenzen (u. a. David Bowie) jedoch als Fernsehfilm für den HR realisiert wurde. Florian erzählt eindrücklich, warum er dennoch hartnäckig für ein Recording-Budget kämpfte, um mit dem Budapest Art Orchestra echte Streicher aufzunehmen, da digitale Samples gegen die emotionalen „Weltsongs“ im Film nicht bestanden hätten. Wir sprechen über die enge Verzahnung von Sounddesign und Musik, den Mut, bei fehlenden Mitteln auch mal „Nein“ zu einem Projekt zu sagen, und warum eine Kommunikation über Emotionen statt Fachterminologie der Schlüssel für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Regie und Komposition ist. Letztlich geht es darum, gemeinsam einen Klang zu entwickeln, der die Vision der Regieperson lebendig werden lässt.

Von Links: Yugen Yah, Florian Tessloff und Rickie Lee Kroll beim Filmfest München

Zwischen Handwerk und Haltung

Darüber hinaus sprechen wir über den Prozess des Komponierens selbst: vom ersten Lesen des Drehbuchs über das Entwickeln einer ersten Klangwelt bis zur finalen Ausgestaltung des Scores. Dabei stellt sich auch die Frage, in welchen Momenten es sinnvoll sein kann, ganz auf Musik zu verzichten.

Und schließlich geht es auch um die Rolle von künstlicher Intelligenz, die nicht ausgeblendet werden sollte. Im Schreibprozess lehnt Florian die Nutzung von KI klar ab, da das Komponieren und Orchestrieren für ihn untrennbar mit dem persönlichen Schöpfungsprozess verbunden ist. Als technisches Werkzeug hingegen, etwa beim Stem-Splitting oder in Mastering-Assistenten erkennt er in KI durchaus Potenzial.

Am Ende wird deutlich, dass Musik im Film kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen, respektvollen Zusammenarbeit ist. Dies stärker in den Fokus zu rücken und das Bewusstsein für diesen Prozess in der FIlmarbeit zu stärken ist auch das Ziel des Formats „Speaking in Sound“.

Gäste

Florian Tessloff | KomponistLink

Florian Tessloff ist deutscher Komponist, Produzent und Pianist und lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin. Seine Arbeiten für Film und Fernsehen wurden vielfach gewürdigt – darunter eine Oscar-Nominierung sowie Auszeichnungen mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Musikautorenpreis. Ausgebildet in Jazz, Klassik und elektronischer Musik, studierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg sowie am Berklee College of Music in Boston.

Rickie Lee Kroell | Komponistin – Link

Rickie Lee Kroell ist Komponistin und Songwriterin mit einem vielseitigen Werk zwischen orchestraler, filmischer und experimenteller Musik. Sie studierte am Berklee College of Music (BA ’14, Klassische Komposition) sowie an der University of Southern California (MA ’17, Screen Scoring) und arbeitete anschließend als freiberufliche Komponistin in Los Angeles. Rickie Lee schreibt mitreißende, gefühlvolle Kompositionen für Film, Medien und Konzert

Ähnliche Folgen

#57 | Musik im Film: Von der Arbeit mit den Tönen

#183 | Ambivalente Klanglandschaften: Die musikalische Welt von “Gotteskinder”

#121 | Filmmusik: Freiraum und Vertrauen

Ähnliche Beiträge

Autor*in
Supporte den Podcast

Über Steady kannst du dem Indiefilmtalk und die Arbeit dahinter unterstützen. Du erhältst nicht nur weiterhin spannende Gespräche sondern auch spannende Benefits aus den Bereichen Streaming, Bildung, Software die dich bei deiner Arbeit unterstützen können.

NEU DABEI: 20% Rabatt auf den Kurzkurs bei der Schnitt-Akademie in Berlin – exklusiv für unsere Supporter*innen!

#202 – Speaking in Sound: Wie man Musik kommuniziert und für künstlerische Visionen kämpft

Filmmakers HUB

Komm an Board und vernetze dich mit Kolleg*innen und Gleichgesinnten aus der Filmbranche.

Beim Filmmakers Hub kannst du in den Austausch gehen, Unterstützung bei Fragen rund um die Produktion und Finanzierung finden, Feedback für das nächste Treatment einholen oder einfach nur deine persönlichen Tipps & Tricks mit anderen Filmschaffenden aus den Gewerken Produktion, Regie, Drehbuch, Kamera und Schnitt teilen.

 
INDIEFILMTALK-UPDATE Newsletter

Wenn du nichts mehr verpassen möchtest und immer up-to-date bleiben möchtest melde dich doch gerne beim Newsletter an.

Newsletter

Indiefilmtalk UPDATE + Filmmakers Community

Um unsere Webseite optimal für dich zu gestalten verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die Weitere Nutzung unserer Seite stimmst du der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen findest du hier in unserer Datenschutzerklärung.