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Lernen durch Filmeschauen – Filmanalyse für Filmschaffende

30. November 2020

Filmanalyse für Filmschaffende

– Und wie man durch das Filmschauen Filmemachen lernt –

Inhalt und Gestaltung sind das Herzstück einer filmischen Erzählung. Getrennt voneinander existieren sie nicht. Der Stil eines Filmes, die Stimmung einer Szene oder die besondere Wirkung einer Sequenz resultieren erst aus dem Zusammenspiel der Elemente: Kameraeinstellung, Montage, Farbdramaturgie, Symbolik, Set Design, Schauspiel, Ton, Musik etc. Vieles lässt sich schon beim Drehbuchschreiben konzipieren. Manchmal sind wir uns unserer stilistischen Entscheidungen aber gar nicht so bewusst oder sehnen uns nach mehr Kreativität. Wie können wir also unser filmtechnisches Denken und Handwerk erweitern, um mehr Inszenierungsmöglichkeiten vor Augen zu haben? Durch die Filmanalyse.

Bewusstes Filmschauen durch die Filmanalyse

Nicht jeder Film erfindet natürlich das Rad neu. Für verschiedene Genres und Formate haben sich bestimmte Konventionen etabliert – das wird z.B. klar wenn man sich den unterschiedlichen Rhythmus von Komödien und Dramen ansieht. Diese können befolgt aber auch bewusst gebrochen werden. Viele Entscheidungen sind natürlich an Produktionsbedingungen gebunden, andere gestalten Filmschaffende auch unbewusst, denn jeder ist schließlich auch von den eigenen Sehgewohnheiten beeinflusst. Gerade deshalb kann es hilfreich sein, die persönlichen Vorlieben und somit die Arbeit anderer Filmschaffenden genauer zu erforschen. Also nun, auf zur Filmanalyse, so vergehen die Lockdown-Tage im Nu.

Vertikale Montage von Sergej M. Eisenstein Quelle: Wikimedia Commons — By С.М. Эйзенштейн (Рисунок из статьи „Вертикальный монтаж“ 1940 г.) [Public domain]

Wie analysiere ich einen Film? Damit das Ganze am meisten Spaß macht, empfiehlt es sich natürlich, einen Film zu wählen, den ihr gut findet und möglicherweise schon öfter gesehen habt. Nach einer (erneuten) Sichtung überlegt ihr euch, welche Szene(n) ihr nun genauer unter die Lupe nehmen wollt. Spielt diese nochmal ab. Als nächstes fragt ihr euch, worauf ihr zuerst achten wollt: auf die Kameraeinstellungen, Schauspiel, Bewegung von Kamera und Schauspieler*innen, etc.? Einen Fokus zu setzen, erleichtert es, in einzelnen Aspekten tiefer zu gehen. Analysiert man etwa Bild und Tonebene getrennt, lässt sich die Gesamtwirkung danach differenzierter betrachten: Doppeln sich die Bedeutungsebenen oder erzeugen sie Mehrdeutigkeit?

Manchmal wissen wir aber auch nicht so schnell, wo wir anfangen sollen. In dem Fall lohnt sich eine kleine Recherche als Input – das Internet hat unendlich viele Analysevideos zu bieten von Kubrick Einsatz von Close-Ups bis zu Amirpours Bildsprache in A Girl Walks Home Alone At Night. Viele DVDs enthalten erklärende Audiokommentarspuren der Regie. Nun vielleicht schon eher inspiriert für die eigene Analyse?

Wenn ihr beim erneuten Ansehen eurer gewählten Szene z.B. merkt, dass Close-Ups häufig vorkommen, fragt euch: Wie würde die Szene wirken, wenn der/die Filmschaffende stattdessen Halbtotalen oder Totalen eingesetzt hätte? Inwiefern wäre der Fokus der Erzählung verschoben? Mit welcher Wirkung? Nahe Einstellungen heben z.B. emotionale Reaktionen der Figuren hervor, während Totalen den inneren Zustand eines Charakters auf symbolischere Weise erzählen können, etwa indem dieser verloren innerhalb eines überwältigenden Settings steht.

Vielleicht seid ihr aber auch mehr der/die learning by doing type? Sareesh Sudhakaran schlägt vor, sich Szenen, sofern das Herunterladen möglich ist, in einer Schnittsoftware zu importieren und hands-on eine veränderte Reihenfolge von Shots auszuprobieren – eine gute Möglichkeit, um die Wirkung der Montage zu testen. Genauso ließen sich die Tonspur verändern, Helligkeit, Tempo und und und. Andere konzentrierte Analysetechniken sind z.B. das Abspielen in Zeitlupe, das Betrachten ohne Ton, das Hören ohne Bilder – wie viel verstehen wir von der Story, wenn Elemente fehlen? Lustiger und produktiver kann auch der gemeinsame Austausch über eine Filmszene mit Freundinnen oder Kolleginnen sein. So kommt man außerdem oft auf neue Ideen.

Weiterführende Tipps:

Der Indiefilmtalk Filmbreak für alle die gemeinsam Filmszenen analysieren wollen: Wenn du Lust hast dich mehr mit der Analyse zu beschäftigen und dabei mit Kollegen und Kolleginnen auszutauschen, schau doch auch gerne mal bei unserem monatlichen Filmbreak-Abenden vorbei

Tolle Scenebreakdowns findet man auch beim Youtube Channel von Studiobinder – LINK

Noch mehr zum Thema Filmanalyse gibt es hier

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