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Produktion

Podcast
1:34 STUNDEN
21. September 2023

Wie macht man einen Dokumentarfilm postum?

Als der Filmstudent Steffen Meyn bei der RĂ€umung des Hambacher Forstes 2018 von einem Baum stĂŒrzt und dabei tödlich verunglĂŒckt, lĂ€uft seine Kamera weiter. Er trug sie – auf einen Helm geklebt – auf seinem Kopf. Eine Person von der Polizei hebt sie damals auf und packt sie in eine TĂŒte. Die wurde dann von Hand zu Hand weitergegeben, bis sie schließlich auf einer Polizeistation landete. Als die trauernden Eltern das Filmmaterial ihres Sohnes endlich wieder bekommen, stand die Frage im Raum – was tun damit? Steffen Meyn hatte ĂŒber zwei Jahre hinweg die Besetzung im Hambacher Forst mit der Kamera begleitet, war dabei als BaumhĂ€user gebaut wurden, lernte klettern, tauschte sich mit den Aktivist*innen ĂŒber ihre Motivationen aus. UrsprĂŒnglich wollte er mit dem Material ein VR-Erlebnis kreieren, das den Wald erlebbar macht, wenn der nicht mehr da sein wird. Es ist ein Projekt, das nie zustande kommt. Stattdessen baten Steffen Meyns Eltern Freund*innen ihres Sohnes, einen Film aus dem Material zu machen. Keine leichte Aufgabe, erzĂ€hlt Fabiana Fragale im RĂŒckblick:

„Kilian sagt das immer so schön. Er sagt: Das haben wir ja nicht ausgesucht – das Material -, das ist einfach auf uns gekommen, ĂŒber eine Scheißsituation. NĂ€mlich, weil ein richtig guter Freund von uns gestorben ist.“

Ist ein kreativer Prozess ĂŒberhaupt möglich, wenn alle wie erstarrt sind und trauern? Eine Antwort darauf ist Pragmatismus. Jens MĂŒhlhoff machte den Start und fing an das Material zu sortieren. Eine Herausforderung dabei – Steffen Meyn hatte zum großen Teil mit einer 360 Grad-Kamera gedreht, die er auf seinem Kopf trug. Auf diese Weise filmte er sein gesamtes Umfeld. Dabei entstanden zwei Bilder, die in der Nachbearbeitung erst einmal von Hand zusammengefĂŒgt werden mussten, um ein 360-Grad-Bild zu bekommen. Im Schnitt mussten dann aus diesen Rundumbildern einzelne Bilder ausgewĂ€hlt werden. Wenn sie im Prozess dann umgeschnitten haben, erzĂ€hlt Fabiana, dann mussten sie auch die Bilder neu wĂ€hlen. Material, das aber auch Vorteile hatte, erzĂ€hlt sie: „Zum Beispiel kannst du dann eine Situation im GesprĂ€ch von zwei Leuten – Steffen stand in der Mitte, zwei Leute haben geredet -, in dieser Situation kannst du dann einmal zu einer Person schwenken und dann kannst du plötzlich gegenschneiden und der anderen Person zuhören. Und dann kannst du aber auch noch rauszoomen und alle drei gleichzeitig sehen. Das heißt, du entscheidest das, was du eigentlich am Filmset entscheidest im Schnittraum.“

Steffen hoch oben in einem der 86 BaumhÀuser des Hambi (Hambacher Forst) © W-FILM

Wie geht kollektives Arbeiten?

Wie kommt man jetzt zu dritt auf eine Geschichte, die mit diesem Material erzĂ€hlt werden kann? Im ersten Schritt haben alle individuelle Timelines erstellt – mit ihren Lieblingsszenen. Als sie die verglichen haben, stellten sie fest, dass es gar nicht so viele Überschneidungen gab. Wie also weiter? Neben dem reinen Bildmaterial schwingt auch immer die Thematik mit. Die Besetzung, die RĂ€umung und auch der Tod von Steffen Meyn waren öffentlich und bewegten sich in einem politisch aufgeladenen Spannungsfeld. Denn Medien, Politik und Aktivist*innen rangen um eine Bedeutungshoheit dieses Todes, erzĂ€hlt Fabiana Fragale im Podcast. Dort eine eigene Position zu finden war ein Spagat, erinnert sich Jens MĂŒhlhoff:

„Was ein ganz großer Spagat war, war einerseits Steffen als Person, der wir emotional nah sein wollten. Andererseits wollten wir aber auch unglaublich viel politisch da drin verhandeln. Und dieser Spagat der hat, glaube ich, eine sehr lange Genese in diesem Prozess gehabt.“

Auch die Arbeit zu dritt stellte die drei Regisseur*innen immer wieder vor Herausforderungen. Denn alle hatten eine individuelle Beziehung zu ihrem verstorbenen Freund und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der Film am Ende aussehen sollte. „Wir hatten den Film mehrmals fast fertig – ob jetzt im Kopf, oder im Schnittraum – und sind dann noch mal ein gutes StĂŒck zurĂŒck“, erzĂ€hlt Kilian Kuhlendahl, „wenn man viel umwerfen muss, dann muss man das tun und dann gibt es auch einen Grund dafĂŒr.“ Diese Entscheidungen liefe nicht ohne Diskussionen und Kompromisse im Schnittraum ab.

Im Herbst 2018 wurde der Hambacher Forst im Auftrag durch das nordrhein-westfÀlische Innenministerium mittels der Polizei gerÀumt © W-FILM

Die Filmfigur Steffen Meyn

Am Ende entstand ein Film, der mit der ursprĂŒnglichen Idee von Steffen Meyn nicht mehr viel zu tun hatte. Und auch er – als Mensch und Freund – ist ein StĂŒck weit Teil einer konstruierten Dramaturgie geworden. Kilian Kuhlendahl:

„Wir hatten jahrelang eine Filmfigur konstruiert und wussten, dass wir bestimmte Szenen auf eine bestimmte Weise schneiden, weil es gerade in die Dramaturgie passt. Und, dass der reale Steffen, der Mensch, um den ich trauere, jemand anders ist, als die Figur in diesem Film.“

Am 21. September kommt der Dokumentarfilm “Vergiss Meyn Nicht” in die deutschen Kinos. Das Besondere an diesem Film ist, er ist postum entstanden. In dieser Folge sprechen wir darĂŒber, wie das eigentlich geht. Mit welchen Herausforderungen ist das verbunden und was kann und sollte man dabei beachten? DarĂŒber sprechen wir mit den drei Regisseur*innen des Films: Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl und Jens MĂŒhlhoff.

Unsere GĂ€ste

Fabiana Fragale
Regisseurin & Filmemacherin
Website – https://www.fabianafragale.com/

Kilian Kuhlendahl
Regisseur*in und Autor*in von erzÀhlerischen Formaten wie Hörbuch und Graphic Novel
Website – http://www.kkuhlendahl.de/

Jens MĂŒhlhoff
Regisseur und Filmemacher
Website – https://www.jensmuehlhoff.de/

WeiterfĂŒhrende Links
W-Film – https://www.wfilm.de/vergiss-meyn-nicht/kinotermine/

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Podcast
1:09 STUNDEN
7. September 2023

Am Anfang war das Theater

Das Theater als flĂŒchtige Kunstform sowohl auf der klassischen GuckkastenbĂŒhne als auch in Formen des immersiven Theaters, der Performance, des Straßentheaters, des Tableaux vivants 
 Es gibt unendlich viele Formen und Facetten, wo, wie und mit wem Theater konstruiert wird. Seit Ende des 19. Jahrhunderts erwacht der Film – das Bewegtbild. Seit es den Film gibt, gibt es das Bestreben, diese beiden Kunstformen zusammenzufĂŒhren. Schon frĂŒh wird der Film als Medium geschĂ€tzt, welches aufgrund der visuellen Wirkung das intensive Erleben von TheaterauffĂŒhrungen verstĂ€rkt. Der Einsatz von Projektionen als Zwischenfilme nutzen schon der US-amerikanische Regisseur David Wark Griffith sowie der französische Illusionist und Theaterbesitzer Georges MĂ©liĂšs. Erstmals in Deutschland integrierten die GebrĂŒder Wolf einen Einspielfilm als Prolog eines TheaterstĂŒcks im Jahre 1911. SpĂ€ter folgten Regisseure wie Erwin Piscator an der VolksbĂŒhne in Berlin mit “Trotz alledem!” oder “Das trunkene Schiff”. Oder heute Thomas Ostermeier mit “Hamlet” an der SchaubĂŒhne in Berlin. Nach Piscators Aussagen dienen die Filmprojektionen zur “Intensivierung des dramaturgischen Ausdrucks“.

Der Versuch der Verschmelzung

Erwin Piscator ging sogar so weit, dass er ein eigenes Theaterhaus aufkaufte und großzĂŒgig umbaute, um bestmöglich den Film in seine TheaterstĂŒcke als festen Bestandteil zu implementieren. Der Film sollte nicht mehr nur Beiwerk sein, sondern mit dem Theater zu einer neuen Kunstform verschmelzen. Der begrenzte Raum der GuckkastenbĂŒhne soll mithilfe des Films zum “vierdimensionalen Theater” gesprengt werden. Die beeindruckenden Bilder sollen somit eine BrĂŒcke schlagen zwischen BĂŒhnenraum und Zuschauerraum. Doch dafĂŒr benötigt er eine ganz neue Architektur, die dieser Aufgabe gerecht wird.

Zusammen mit Walter Gropius plant er spĂ€ter das sogenannte Totaltheater. Dieses kuppelförmige Gebilde soll im Inneren mit einer aufwendigen mobilen BĂŒhne und 15 Projektoren ausgestattet werden. Die Projektoren sollen die Kuppel von innen mit diversen Filmen bestrahlen und so das Theaterspektakel filmisch verfeinern. Das Theater wurde aus finanziellen GrĂŒnden nie gebaut – doch was wĂ€re wenn?

Thomas Ostermeier, Regisseur des gegenwĂ€rtigen Theaters, nutzt den Film nicht nur als Einspieler oder Stimmungsprojektion, sondern verwendete Live-Kameras, mit denen die Protagonisten auf der BĂŒhne spielen. Die Zuschauer*innen erhalten die Live-Aufnahme der Schauspieler*innen im Großformat auf der Leinwand und bekommen das GefĂŒhl, direkt vor Hamlet zu stehen, wenn dieser – gespielt von Lars Eidinger – seinen “Sein-oder-nicht-Sein- Monolog“ zum Besten gibt.

Von filmischer Seite gab und gibt es ebenfalls das Bestreben, theatrale Elemente in den Film zu betten. “Dogville” von Lars von Trier, bei dem das komplette filmische Geschehen auf einer kargen TheaterbĂŒhne in Szene gesetzt wird. Oder “Blind Date“, bei dem Anke Engelke und Olli Dittrich mit komplett improvisierten Charakteren in verschiedenen RĂ€umlichkeiten aufeinandertreffen und frei von der Leber weg spielen, was ihnen in den Sinn kommt.

Es gibt unzĂ€hlige Beispiele aus der Geschichte und der heutigen Zeit, wo immer wieder Versuche gestartet werden, diese beiden so unterschiedlichen Kunstformen zusammenzufĂŒhren. Und dennoch scheint dieser Versuch stets ausgefallen. Was wĂ€re, wenn Theater und Film auf diversen Ebenen öfter und viel selbstverstĂ€ndlicher miteinander verbunden werden wĂŒrden? Welche Auswirkungen hĂ€tte dies auf unsere Form des GeschichtenerzĂ€hlens? Wie gut besucht wĂ€ren Kinos und TheaterhĂ€user dieses Landes, wenn es mehr Mut zum Experimentieren gĂ€be?

Mehr Mut zum Experiment

Unsere drei GĂ€ste sind alle Expert*innen im Verweben von filmischen und theatralen Elementen. Eine improvisierte Fernsehserie hier, ein Live-Mitschnitt einer TheaterauffĂŒhrung dort und ein Publikum, das sich in einem immersiven Social-Media-Event wiederfindet.

Gemeinsam trauern in Meck-Pomm: Frank Dietze (Uwe Preuss, hinten l.), Hildegard (Christine Schorn), Mario (Charly HĂŒbner), Mike Wiener (Dominic Boeer), Sabine (Claudia Michelsen), Anna Hell (Anja Kling) und Carsten Hell (Martin Brambach) © Foto: Georges Pauly/ARD Degeto

Jan Georg SchĂŒtte  (Regisseur, Schauspieler & Drehbuchautor) steckt nun schon mitten in der Postproduktion der zweiten Staffel seiner improvisierten Mini-Serie “Das BegrĂ€bnis”. Auf dem Hauptsetting, einem Hof in Mecklenburg-Vorpommern, rotieren 56 Kameras und 19 Schauspieler*innen. Mit je einer eigenen, sehr detaillierten Charakter-Biografie und einzelnen Handlungsaufgaben, sind die Schauspieler*innen ausgestattet. Hier trifft die Improvisationskunst aus dem Theater auf das serielle ErzĂ€hlen fĂŒr’s Fernsehen.

Lotte skyped mit Werther.

Cosmea Spelleken (Regisseurin) entwickelt in der Pandemie Werther.Live. Das TheaterstĂŒck im Social Media Anzug kommt zu den Zuschauer*innen nach Hause. Jedes Mal Live gespielt interagieren die Protagonist*innen von Werther zwischen Instagram-Post’s, Skype-Video-Anrufen und Chat-VerlĂ€ufen. Dies alles wird ĂŒber ein sogenanntes Screencatching im Hintergrund aufwendig gefĂŒhrt und dem Publikum ausgespielt. Das Ergebnis ist ein intensives MitfĂŒhlen und hoffen bis zuletzt, dass Werther nicht so endet, wie wir es im Deutschunterricht zuletzt erlebt haben. 

Nazgol Emami (Regisseurin & Videodesignerin) begleitet diverse Theater- und Fernsehproduktionen und wird wĂ€hrend der Pandemie als Regisseurin fĂŒr den Live-Mitschnitt des TheaterstĂŒckes „FrĂŒchte des Zorns” von Schauspiel Köln angefragt. Gesagt, getan! Doch was braucht es, um ein TheaterstĂŒck raffiniert fĂŒr das Medium Film in Szene zu setzen – ohne abgefilmt zu wirken? Auf jeden Fall mehr als zwei Standkameras. Mit einem gut durchdachten und unkonventionellen Konzept macht sie sich ans Werk und beschert dem Publikum einen neuartigen Zugang zum Medium Theater.

FrĂŒchte des Zorns © Foto: Schauspiel Köln

Unsere GĂ€ste

Cosmea Spelleken (Regisseurin), Jan Georg SchĂŒtte (Regisseur, Schauspieler & Drehbuchautor) und Nazgol Emami (Regisseurin & Videodesignerin) sprechen ĂŒber ihre Projekte, Erfahrungen und WĂŒnsche fĂŒr die Zukunft.

Cosmea Spelleken
Regisseurin
Staatstheater NĂŒrnberg – LINK

Jan Georg SchĂŒtte
Regisseur, Schauspieler & Drehbuchautor
Webseite – LINK 

Nazgol Emami
Regisseurin & Videodesignerin
Crew United – LINK 
Webseite – LINK

WeiterfĂŒhrende Links
Blind Date (Mediathek) – LINK 
Das BegrĂ€bnis (Trailer) – LINK
Schauspiel Köln (Webseite) – LINK
Werther.Live (Trailer) – LINK

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Podcast
1:07 STUNDE
24. August 2023

Die Finanzierung des Films ist eins der essentiellen Dinge die man als Filmemacher*in nach der Kreativen Arbeit am Film angehen muss, um die Filmproduktion auf die richtigen finanziellen Beine zu stellen. Anders als in Hollywood und vielen anderen LĂ€ndern der Welt gehört in Deutschland und Europa die Filmfinanzierung durch staatliche UnterstĂŒtzung von Land und Bund zu einem der Eckpfeiler der hiesigen Filmindustrie. Aber wie arbeiten Förderanstalten und was sind Kriterien, die man als finanzierungssuchende Person bei der Beantragung beachten sollte?

IFT Filmförderung

How-To Filmförderung

In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Filmförderungen. Neben der nationalen Förderung durch die FFA und das Kuratorium Junger deutscher Film gibt es einige Regionale Förderanstalten wie den FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), Film- und Medienstiftung NRW, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) oder den Baden-WĂŒrttembergischer Filmförderungs- und Medienfonds (MFG). Neben den spezifischen Filmförderanstalten gibt es weitere Institutionen und Stiftungen, die Filmprojekte fördern, wie zum Beispiel die Kulturelle Filmförderung von Brot fĂŒr die Welt oder die Robert Bosch Stiftung, die Filmprojekte im internationalen Kontext fördern.

In der „How-To Filmförderung-Reihe“ vom Indiefilmtalk werden wir in den nĂ€chsten Monaten immer wieder mit verschiedenen Filmförderinstituten ins GesprĂ€ch gehen und einen Einblick in ihre Arbeitsweisen geben. Wie sieht die Einreich- und Auswahlprozedur aus? Wie unterscheiden sie sich zu anderen Filmförderungen? Welche Herausforderungen sehen sie in ihrer Arbeit? ZusĂ€tzlich versuchen wir in den GesprĂ€chen ein paar spannende und hilfreiche Insights fĂŒr die Einreichung heraus zu kristallisieren.

Heute: Medienboard Berlin-Brandenburg

Unser erster Gast in der Reihe sind Anja Dörken (Förderreferentin) und Daniel Saltzwedel (Leitung Filmförderung) vom Medienboard Berlin-Brandenburg. In unserem GesprĂ€ch reden wir ĂŒber den Ablauf von Jurysitzungen, das Intendantenprinzip und darĂŒber, was ein gutes Package bei der Einreichung wirklich bedeutet.

Mehr zu Medienboard findet ihr auf deren Webseite – LINK

Unsere GĂ€ste

Anja Dörken
Förderreferentin Medienboard Berlin-Brandenburg
Webseite – LINK

Daniel Saltzwedel
Leitung Filmförderung Medienboard Berlin-Brandenburg
Webseite – LINK

WeiterfĂŒhrende Links
25 Antworten zur Filmförderung | Filmpuls.info – LINK
Medienboard Berlin-Brandenburg – LINK
Deutscher Filmförder Fond | NĂŒtzliche Links – LINK

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#89 | Vielfalt im Film: Filmförderung im Fokus
DFFB Sessions | Alternative Finanzierungsmodelle 101

Almost Home - Filme vermarkten im Social Media Zeitalter - Szene aus dem Film
Almost Home | ©lehof

Die Frage – „Wie erreiche ich mein Publikum mit meinem Film?“ – ist wahrscheinlich genauso alt wie das Kino selbst. So wie sich das Kino und der Film in den letzten Jahrzehnten immer weiter wandelte und weiter wandeln wird, verĂ€ndert sich regelmĂ€ĂŸig die Antwort auf diese Frage und damit die Art der Vermarktung von Filmen. Setzte man vorher mehr auf einen spannenden Trailer und die Plakatierung von Filmpostern an LitfaßsĂ€ulen wird es heutzutage immer wichtiger, das Publikum so frĂŒh wie möglich auf eine „Journey“ mit zunehmen bei dem man um den eigenen Film extra Content fĂŒr die Sozialen Medien generiert.

Man sollte die Vermarktung des Films direkt da anknĂŒpfen, wo sich die Menschen aufhalten, um sie fĂŒr das Kino und den Film zu begeistern.

Lena Moser

Durch die Masse an Medien, denen wir jeden Tag ausgesetzt sind, wird es immer schwieriger, die Aufmerksamkeit fĂŒr ein spezifisches Projekt zu erhalten. Umso wichtiger ist es, als Filmemacher*in strategisch und flexibel bei der Suche nach der passenden Zielgruppe zu agieren und immer zu schauen, in welchen Nischen sich die Zuschauerschaft befindet. Social-Media-KanĂ€le wie Facebook, Instagram, TikTok oder Youtube können hierbei sehr mĂ€chtige Werkzeuge fĂŒr Filmschaffende sein.

Almost Home - Filme vermarkten im Social Media Zeitalter - Szene aus dem Film
Almost Home | ©lehof

Die Produktionsfirma und Agentur „lehof“ konzentriert sich mit ihrer Arbeit genau auf diese Aufgaben. Neben dem entwickeln von Vermarktungsstrategien fĂŒr Produktionsfirmen wie Panthaflix oder Warner Bros. entwickeln und produzieren sie eigene Filme wie ihren letzten Sciencefictionfilm „Almost Home“ welcher bereits auf zahlreichen Festivals international lief, seine Deutschlandpremiere beim Max OphĂŒls Festival feierte und bei den 95. Oscars geshortlisted war. Mehr zu „lehof“ und dem Film findet ihr hier – LINK

Vermarktung im „Social First“ Zeitalter

In unserem heutigen GesprĂ€ch dreht sich alles um Konzepte fĂŒr ein erfolgreiches Audience Building. Im GesprĂ€ch mit Philip Hofmann (GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Creative Manager) und Lena Moser (Creative Concept) von der Produktionsfirma und Agentur „lehof“ reden wir ĂŒber ihre Strategien in der Vermarktung von Filmen ĂŒber Social Media am Beispiel ihres Genrefilms „Almost Home“. Wir schauen uns die Wichtigkeit der sozialen Medien fĂŒr den Film an und reden darĂŒber, warum es wichtig ist, so frĂŒh wie möglich mit dem Vermarktungskonzept fĂŒr den Film zu starten.

Unsere GĂ€ste

Philip Hofmann – GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Creative Manager | Lehof
Lena Moser – Creative Concept | Lehof

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Audience Design: Eine kleine EinfĂŒhrung
DFFB Sessions | Vom Kino bis zu VOD: Die Filmdistribution im Wandel

„Wenn wir uns nicht die MĂŒhe machen, die junge Generation auch mit fiktionalen Formaten zu erreichen, dann verlieren wir das Publikum von morgen.“

Helga Löbel – Produzentin

Die Produzentin Helga Löbel begleitet und realisiert Kinder- und Jugendserien, wie KALTSTART (KIKA), SPOTLIGHT (Nickelodeon) oder IRGENDWAS MIT MEDIEN (mdr). FĂŒr das Publikum von morgen neue Serienformate zu produzieren ist fĂŒr die Produzentin eine wichtige Angelegenheit. Innovative Formate zu entwickeln, haben fĂŒr sie einen ganz besonderen Kick! Dass es aber ein langer Weg ist, neuartige Serienformate fĂŒr diese eher kleine Zielgruppe zu entwickeln, erklĂ€rt sie uns an ihren vielfĂ€ltigen Produktionen.

Helga Löbel spricht mit uns ĂŒber die produktionellen Herausforderungen und Chancen von Young-Adult-Formaten sowie bei Kinder- und Jugendserien. Welche Bedingungen gilt es zu beachten? Was muss sich Ă€ndern und wo dĂŒrfen Sender und Produktionsfirmen mutiger und vor allem geduldiger sein fĂŒr den „Long Run“?

Dreharbeiten | IRGENDWAS MIT MEDIEN © MDR/UFA/Sascha Hoecker

Mutiger sein bei fiktionalen Formaten!

„Ich wĂŒnsche mir den Mut, langfristig in regionale Programmmarken zu investieren, gerade im Young-Adult-Bereich!“

Helga Löbel – Produzentin

Die KIKA-Serie KALTSTART, die nun schon in der 6. Staffel befindende Jugendserie SPOTLIGHT von Nickelodeon und Paramount+ oder das Young-Adult-Format IRGENDWAS MIT MEDIEN vom mdr sind tatsĂ€chlich Leuchtturmprojekte, denn fiktionale Produktionen im Kinder- und Jugendbereich zu realisieren ist nicht leicht. Denn die möglichen definierten Alterszielgruppen sind sehr klein und daher aus wirtschaftlicher Sicht schwer zu fassen. Die diversen Alterszielgruppen sind aus entwicklungspsychologischen GrĂŒnden sehr differenziert definiert (ab 4, ab 6, ab 8, ab 10, ab 12 Jahren usw.), und bilden daher im Gegensatz zum Erwachsenenbereich eine eher kleine potenzielle Zuschauerzahl. Nach Helga Löbel kann sich ein neuartiges Kinder- oder Jugendformat demnach nur etablieren, wenn es langfristig gedacht wird, um ĂŒberhaupt als Marke heranwachsen zu können.

Neben dem differenzierten Audiencebuidling, braucht es schon in der Entwicklungsphase viel Geduld, bis es tatsÀchlich zur Realisierung kommt. HÀufig bleiben viele Projektideen auf der Strecke. Wenn es dann endlich zum Dreh kommt, gibt es andere Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

One Location: Clevere Drehplanung

Denn die zeitlichen Rahmenbedingungen fĂŒr Kinder- und Jugendserien sind straff. FĂŒr den klassischen Krimi werden pro Drehtag ca. 5 Minuten Material angesetzt. Bei Kinderserien, wie zum Beispiel bei KALTSTART sind es ganze 11 Minuten. Gerade Formate, die mit innovativen ErzĂ€hlweisen neu an den Markt gehen, haben es schwer und werden anders budgetiert als etablierte Formate. Helga fand mit ihrem Team dennoch clevere Wege, die Drehtage so zu strukturieren, dass der Dreh fĂŒr alle gut zu bewerkstelligen ist. Ein wichtiges SchlĂŒsselelement hierbei ist der Dreh an einer Location. Dies hat sich sowohl bei KALTSTART als auch bei SPOTLIGHT bewĂ€hrt. Die Proben und der Dreh aller Szenen, alles findet an einem Ort statt. Dies hat natĂŒrlich fĂŒr Cast & Crew mehrere Vorteile, wie beispielsweise kurze Kommunikationswege oder die Vermeidung von grĂ¶ĂŸeren UmzĂŒgen mit Crew, Cast und Equipment. Mit dieser Strategie drehten sie bei SPOTLIGHT auch gerne mit vier Teams parallel. 

Hinweis: Die Folge wurde schon im September 2022 aufgenommen.

Helga Löbel | Produzentin, UFA Serial Drama
Crew United – LINK
KALTSTART  (1. Folge) – LINK
SPOTLIGHT (Staffel 3 – Trailer) – LINK
IRGENDWAS MIT MEDIEN (Trailer) – LINK

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Podcast
1:28 STUNDEN
20. April 2023

Die immer wieder gleichen Geschichten

Egal ob im Theater oder im Film, viel zu hĂ€ufig werden die immer gleichen alten Geschichten und Stereotypen aufs Neue erzĂ€hlt. Immer wieder werden alte patriarchale Strukturen durch die immer gleichen ErzĂ€hlweisen manifestiert und die alten Helden leben hoch. Jedoch sind Geschichten nicht nur ein netter Unterhaltungswert, sondern sie prĂ€gen unsere Gesellschaft. Die Form des GeschichtenerzĂ€hlens ist die einfachste und gleichzeitig komplexeste Form, Bilder und Stereotypen im Mindset unseres gesellschaftlichen Kollektivs zu verankern. Wie brechen wir diese Strukturen und alten ErzĂ€hlmuster auf? Wie lösen wir uns von den alten ErzĂ€hlungen und geben mehr Raum fĂŒr die Neuen? Der Film LADYBITCH widmet sich genau dieser Herausforderung und revolutioniert mit seiner Protagonisten Ela die Bretter, die die Welt bedeuten. Doch nicht nur auf der Leinwand bricht der Film patriarchale Strukturen auf, sondern auch innerhalb der Produktion hinter der Kamera achtet das Regie-Duo Paula KnĂŒpling und Marina Prados auf einen verantwortungsvollen und wertschĂ€tzenden Umgang mit ihrem Team.

Machtposition vs. Verantwortungsposition

„Regisseur*in zu sein ist eine Verantwortungsposition. Ich habe nicht die Macht, sondern ich habe die Verantwortung fĂŒr mein Team. Es ist eher ein Auftrag als ein Privileg.“

Paula KnĂŒpling

Das Regie-Duo Marina Prados und Paula KnĂŒpling sind seit dem letzten Jahr mit ihrem durchschlĂ€gigen SpielfilmdebĂŒt LADYBITCH unterwegs. Gemeinsam haben sie an dem Drehbuch geschrieben, ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet und wĂ€hrend der Pandemie mit einem kleinen Team ihr Filmprojekt erfolgreich realisiert.

Doch was braucht es, um sensible Szenen, in denen GrenzĂŒberschreitungen reinszeniert werden, umsetzen zu können, ohne dass es zu inneren SchĂ€den kommt? Marina und Paula haben darauf eine klare Antwort, denn fĂŒr sie bedeutet die Position der Regisseurin nicht Macht auszuĂŒben, sondern Verantwortung zu ĂŒbernehmen und auch abzugeben, um gemeinsam als Filmteam agieren zu können:

„Mentale Gesundheit am Set ist zentral und daher ist es wichtig, sich zu entspannen, es locker zu nehmen – sich und das Projekt nicht ĂŒber alles zu stellen.“

Marina Prados

Die beiden sind sich einig: Das Filmprojekt sollte nicht ĂŒber allem stehen, das Wichtigste sind die Menschen, mit denen im Team gearbeitet wird und diese wurden trotz kleines Produktionsbudget fĂŒr ihre Arbeit bezahlt. DafĂŒr schraubte das Regie-Duo ihre technischen und Ă€sthetischen AnsprĂŒche zurĂŒck. Eine vorbildliche Handlung, um prekĂ€re Situationen in unserer Filmbranche aufzubrechen.

Kurze Verschnaufpause – Filmstill aus Ladybitch © Ladybitches Productions

Themis veröffentlicht Ratgeber

Was kann die Filmbranche auch im Kleinen tun, um GrenzĂŒberschreitungen zu erkennen, nötige Hilfestellungen zu geben oder eben prĂ€ventiv entgegenzuwirken? Marina und Paula suchen immer wieder das GesprĂ€ch zu ihrem Team. Reflektieren ihre eigenen Grenzen und halten Absprachen wie bspw. die Einhaltung der regulĂ€ren Drehzeiten, ein. Doch was kann der/die Einzelne tun, wenn er oder sie GrenzĂŒberschreitungen erlebt oder beobachtet? HierfĂŒr veröffentlicht die Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle BelĂ€stigung in der Kulturbranche erstmals eine BroschĂŒre, in der mögliche Situationen skizziert werden und mögliche Handlungsoptionen formuliert werden. Neben einem psychologischen Notfallkoffer fĂŒr Zeug*innen gibt es zu jedem Kapitel Reflexionsfragen, sodass eine aktive Einbindung der Leserschaft evoziert wird.

Foto: Paula KnĂŒpling & Marina Prados © Katja Feldmeier

Ladybitches Productions

In unserer aktuellen Folge sprechen die beiden Regisseurinnen mit uns ĂŒber ihre Arbeit zu LADYBITCH. Wir sprechen ĂŒber die aktuelle Handreichung der Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle BelĂ€stigung in der Kulturbranche und stĂ€rken wichtige Learnings zum sensiblen und wertschĂ€tzenden Umgang miteinander. Seit dem 09. MĂ€rz 2023 lĂ€uft LADYBITCH in ausgewĂ€hlten Kinos.

Paula KnĂŒpling
Regisseurin
Webseite – LINK
Crew United – LINK

Marina Prados
Regisseurin
Webseite – LINK
Crew United – LINK

WeiterfĂŒhrende Quellen

Ladybitch (Trailer) – LINK

Lara – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen* (Webseite) – LINK

Mental Healt First Aid – Ersthelfer*in werden! In dem Zentralinstitut erfĂ€hrst du, wie du Erste Hilfe fĂŒr psychische Gesundheit leisten kannst. Schau dich mal auf der Webseite um:

MHFA-Ersthelfer Kurse fĂŒr psychische Gesundheit (Webseite) – LINK

MHFA-Erstehelfer (KursĂŒbersicht) – LINK

Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle BelĂ€stigung und Gewalt (Webseite) – LINK

Solidarische KreativitĂ€t – UnterstĂŒtzung bei GrenzĂŒberschreitungen und BelĂ€stigung in der Kulturbranche (BroschĂŒre) – LINK

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Podcast
1 STUNDE
6. April 2023

Vor ĂŒber 100 Jahren war Deutschland das Zentrum der Trickfilm-Avantgarde. In dieser Zeit entwickelten die Filmschaffenden mit ihren spannenden Animationsfilm-Projekten neue Filmtechniken, die bis heute im Animationsfilm Verwendung finden.

Lotta Reiniger - Animationsfilm
Collage Kurzfilmen von Lotte Reiniger | ©Goethe Institut

Es entstanden Animationsfilme wie „Geheimnisvolle Streichholzdose“ (1910) von Regisseur Guido Sebers oder der erste europĂ€ische abendfĂŒllende Animationsfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ (1926) von Regisseurin Lotte Reiniger. Nach der NS-Diktatur kam der Bruch und es dauerte ein halbes Jahrzehnt, bis Produzenten wie Bernd Eichinger den deutschsprachigen Animationsfilm, mit Filmreihen wie „Werner Beinhart“ (1990) den animierten Film auch im Erwachsenenkino wieder in den Fokus rĂŒckten. Aber wie sieht es heute aus? Welche Möglichkeiten hat man als AnimationsfilmkĂŒnstler*in originĂ€re Geschichten zu erzĂ€hlen?

Werner Beinhart - Animationsfilm
Werner Beinhart | R: Michael Schaack, Gerhard Hahn, Niki List | ©Constantin Film

Wo steht der deutschsprachige Animationsfilm heute?

In unserer aktuellen Folge wollen wir uns mit der Sichtbarkeit des deutschsprachigen Animationsfilm beschĂ€ftigen und der Frage nachgehen, warum wir aktuell eigentlich so wenige Animationsfilme aus deutschsprachigen LĂ€ndern auf der großen Leinwand sehen. Mit unserem Gast Annegret Richter (GeschĂ€ftsfĂŒhrerin AG-Animationsfilm) reden wir ĂŒber Möglichkeiten fĂŒr den animierten Film, schauen uns an, was einen Animationsfilm ausmacht und welche Möglichkeiten es gibt Animationsfilme erfolgreich umzusetzen.

Animationsfilmtipps

Annegret hat uns nach dem GesprÀch noch eine tolle Liste mit ein paar Animationsfilmen (International und deutschsprachig) geschickt, die man unbedingt einmal gesehen haben sollte. Schaut also gerne in diese Filme, supportet die Macher*innen und lasst euch inspirieren:

Internationale Kurzfilme

  • Ryan (D: Chris Landreth, Kanada 2004) – LINK
  • Skhizein (D: JĂ©rĂšmy Clapin, Frankreich 2006) – LINK
  • Average Happiness (D: Maja Gehrig, Schweiz 2021) – LINK
  • Darkness, Light, Darkness (D: Jan Svankmajer , Tschechien 1989) – LINK
  • Silence (D: Orly Yadin und Sylvie Bringas, UK 1998) – LINK
  • Frank Film (D: Frank Mouris, USA 1973) – LINK
  • Girl’s Night Out (D: Joanna Quinn 1987) – LINK

Deutschsprachige Kurzfilme:

  • Germania Wurst (D: Volker Schlecht, 2008) – LINK
  • Jam Session (D: Izabela Plucinska) – LINK
  • Love and Theft (D: Andreas Hykade, 2010) – LINK
  • Cat Days (D: Jon Frickey, 2018) – LINK
  • Mobile (D: Verena Fels, 2010) – LINK
  • Love Sick (D: Ć pela Čadez, 2010) – LINK
  • Wind (D: Robert Loebel, 2013) – LINK
  • Megatrick (D: Anne Isensee, 2017) – LINK
  • Dame mit Hund (D: Sonja Rohleder, 2014) – LINK

Deutschsprachige Langspielfilme

  • 1917 – Der wahre Oktober (D: Katrin Rothe, 2017 – Deutschland, Schweiz) – LINK
  • Chris the Swiss (D: Anja Kofmel, 2018 – Schweiz, Kroatien, Deutschland) – LINK
  • FRITZI- Eine Wendewundergeschichte (D: Ralf Kukula und Matthias Bruhn, 2019 – Deutschland, Belgien, Luxemburg, Tschechien) – LINK

Unser Gast fĂŒr diese Folge:

Annegret Richter
GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der AG Animationsfilm- Bundesverband der Animationsfilmbranche / Kuratorin fĂŒr das Internationale Trickfilmfestival in Stuttgart 
AG Animationsfilm – LINK | Linkedin – LINK
Internationale Trickfilmfestival in Stuttgart (ITFS) – LINK

WeiterfĂŒhrende Links und Vernetzungsmöglichkeiten:
Chronologie zum Animationsfilm in Deutschland (DIAF) – LINK
Annecy International Animation Film Festival (Frankreich) – LINK
Animation Production Days (Stuttgart) – LINK
Cartoon Media EU – LINK
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Animationsfilmvertrieb – Kurzfilm Agentur Hamburg – LINK
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Eine GesprÀchsreihe mit Potential

Was braucht die deutschsprachige Filmbranche? Und was hat der Filmnachwuchs zu sagen, der vor den Startlöchern des ernsthaften Einstiegs in die kĂŒnftige Arbeitswelt steht? Judith Frahm und Fritzie Benesch haben es sich in ihrem Studium an der FilmuniversitĂ€t Babelsberg KONRAD WOLF nicht nehmen lassen, in Eigeninitiative die GesprĂ€chsreihe „Ausnahmezustand Film?!“ zu starten, die nicht “um den heißen Brei redet”, sondern mit diversen GĂ€sten ganz konkret den Finger in die Wunde legt. Wie wollen wir in Zukunft miteinander arbeiten, denn so geht es nicht weiter.

Den Ausnahmezustand stoppen: Andere machen es vor!

Die beiden Produktionsstudentinnen sprechen mit uns ĂŒber ihre konkreten Vorstellungen und WĂŒnsche und machen schnell klar, was möglich und fĂŒr ein Bestehen der Filmbranche unumgĂ€nglich ist. Unter dem Dachthema “New Work” machen andere Branchen und LĂ€nder schon lĂ€ngst vor, was auch fĂŒr die Filmbranche wichtig ist: Flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien, agiles selbstbestimmtes Arbeiten. Darunter zĂ€hlen beispielsweise familienfreundliches Arbeiten, Job-Sharing – also zwei Menschen teilen sich einen Arbeitsplatz in Teilzeit oder auch das Home-Office teilen.

Microsoft in Japan setzt seit 2019 auf die 4-Tage-Woche und erntete damit große Erfolge: Effizientere ArbeitsablĂ€ufe, höhere ProduktivitĂ€t, weniger Stromverbrauch und auch positive psychologische Effekte sind nicht auszuschließen. Die Dringlichkeit fĂŒr diesen Wandel sind nicht zuletzt der extremen MĂŒdigkeitsgesellschaft und dem daraus resultierenden „Tod durch Überarbeitung“ (Karoshi) geschuldet. Soweit muss es in Deutschland nicht erst kommen, denn andere LĂ€nder in Europa, wie Belgien, Schweden und England zeigen bereits heute, was das frĂŒhzeitige Erkennen und Handeln bewirken kann und implementieren die oben genannten Alternativen. Wo bleibt der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland? Bisher beharren politische Akteure eher auf der Strategie der 42-Stunden-Woche, doch gehen die BĂŒrger*innen da mit? Und wie nutzt die Filmbranche diese möglichen Trends fĂŒr sich?

Die innere Haltung: Bewusstsein schaffen

Selbst wenn die 4-Tage-Woche nicht gleich morgen kommt, kann jede*r im Kleinen etwas tun, um einen Kulturwandel in der Filmbranche zu schaffen. Es muss nicht sofort die GrĂŒndung einer Initiative sein oder die Umsetzung einer Studie. Die innere Haltung zĂ€hlt. So kann ein ritualisiertes Check-In und Check-Out am Arbeitsplatz (egal ob am Set oder im BĂŒro) ein erster Einstieg sein, um ein TeamgefĂŒhl zu schaffen und eine wertschĂ€tzende ArbeitsatmosphĂ€re. Generell weg vom alleinigen Geniestatus und dem daraus resultierenden starken MachtgefĂ€lle, hin zu transparenter Teamarbeit.

Es braucht, einen Austausch auf Augenhöhe!

In unserer ersten Folge der neuen Staffel haben wir mit unseren GĂ€sten Judith Frahm und Fritzie Benesch (Produktionsstudentinnen der FilmuniversitĂ€t Babelsberg KONRAD WOLF) reden wir ĂŒber toxische ArbeitsverhĂ€ltnisse am Set und strukturelle Probleme in der deutschsprachigen Filmbranche. In dem spannenden GesprĂ€ch stellen wir uns die Frage, wie wir in Zukunft miteinander Filme machen wollen und was es heißt, sozial-nachhaltig zu produzieren? Fritzie und Judith legen ihren Fokus auf den Austausch. Denn beide sind sich einig, es braucht den Dialog und nicht die Schuldzuweisung! Sich gegenseitig zuhören, sich gemeinsam an einen runden Tisch setzen und zwar mit der ehrlichen Haltung nicht nur fĂŒr sich etwas Ă€ndern, sondern Zugunsten aller Beteiligten.

Unsere GĂ€ste

Judith Frahm
Produktionsstudentin an der FilmuniversitÀt KONRAD WOLF

Fritzie Benesch
Produktionsstudentin an der FilmuniversitÀt KONRAD WOLF

Kontakt zu Ausnahmezustand Film?!
Instagram – @ausnahmezustand.film
Mail – ausnahmezustand.film@gmail.com 

WeiterfĂŒhrende Quellen

Corso-GesprĂ€ch – Wie kann ein Kulturwandel in Filmbranche gelingen?

https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung.1160557.php

Basten, Lisa: „Wir Kreative!“ Das SelbstverstĂ€ndnis einer Branche

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Podcast
1:52 STUNDEN
22. Dezember 2022

Das alte Jahr neigt sich dem Ende zu und wie jedes Jahr wollen wir diese Zeit gemeinsam mit euch und mit unseren filmischen GlĂŒhweindialogen zelebrieren. Mit unserer nun bereits 140. Folge beenden wir unsere diesjĂ€hrige Staffel und freuen uns auf die neuen Folgen, Herausforderungen, Projekte, UnterstĂŒtzer*innen, Freunden und Mitstreiter*innen die auf uns alle im neuen Jahr warten. Diesen Anlass nutzen wir natĂŒrlich auch, um euch allen ein fettes Danke zu sagen. Ohne euch wĂ€re dieses Projekt nicht möglich gewesen. Also:

Danke!! – an unsere GĂ€ste, Kooperationspartner*innen, Mitstreiter*innen und natĂŒrlich auch allen, die uns hören, teilen und weiterempfehlen. Danke!! – an unsere Supporter*innen, Steady-UnterstĂŒtzer*innen oder PaypalunterstĂŒtzer*innen die uns so tatkrĂ€ftig, auch monetĂ€r, in diesem Jahr unterstĂŒtzt haben, damit wir so zahlreiche Themen fĂŒr euch umsetzen konnten. Danke!! – An alle, die auch in diesem Jahr die Filmbranche mit ihrer vielfĂ€ltigen Arbeit zu einer diverseren, offeneren, barrierefreieren und nachhaltigeren Branche machen!

Habt alle feine Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

GlĂŒhweindialoge – It’s a wrap 2022

Unsere diesjĂ€hrigen GlĂŒhweindialoge sind wieder einmal vollgepackt mit einer fĂŒlle interessanter Themen rund um das Filmschaffen. Mit unseren GĂ€sten Jennifer Stahl (Leitung FIRST STEPS), Daniel Hettinger (Autor) und Anne Isensee (Animationsregisseurin) reden wir ĂŒber den Wunsch nach mehr Experimentierfreude in der deutschsprachigen Filmlandschaft, Herausforderungen in der Animationsfilmbranche und die Sichtbarkeit des Kinos in den nĂ€chsten Jahren. Zum Schluss darf natĂŒrlich die alljĂ€hrliche Vorstellung unserer Festtagsfilme nicht fehlen.

Unsere GĂ€ste:

Jennifer Stahl
Leitung FIRST STEPS
Webseite FIRST STEPS – LINK
GesprĂ€che aus der ersten Reihe – LINK

Anne Isensee
Animationsregisseurin und Animatorin
Webseite – LINK

Daniel Hettinger
Drehbuchautor
IMDB – LINK


Festtagsempfehlungen aus der Folge:

Kevin – Allein zu Haus – TRAILER-LINK

Kevin – Allein in New Yorck – TRAILER-LINK

Versprochen ist versprochen – TRAILER-LINK

Jasson und die Argonauten – TRAILER-LINK

Eine schöne Bescherung – TRAILER-LINK

Klaus – TRAILER-LINK

Dash & Lily – TRAILER-LINK

Jennifer’s Weihnachts-Musiktipp „A Super Mario World Holiday“: YOUTUBE-LINK

Susanne’s Weihnachts-Musiktipp Soundtrack zu „A marriage story“: SPOTIFY-LINK

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Kino: Kaum Filme fĂŒr junges Publikum

„Ich interessiere mich sehr fĂŒr die junge Generation, da sie nicht nur unsere Zukunft ist, sondern auch die Zukunft des Kinos.“

Teresa Fritzi Hoerl

Laut der Kinobesucherstudie der FFA aus dem Jahre 2022 sind die besucherstĂ€rkste Gruppe unter den 10 – 19 JĂ€hrigen zu finden. Im Vergleich zum Jahr 2020 stieg diese Altersgruppe um 29% an. Erstaunlich! Aber wie sieht es mit dem Filmangebot fĂŒr diese Altersgruppe aus? Die Filmangebote fĂŒr die Altersgruppe der Teens ist rar. Dominierend sind Actionspielfilme, Komödien, Dramen und Kinderfilme. Aber das Genre „Jugendfilme“ gibt es eher weniger. Dennoch gibt es sie. Die Filmemacher*innen, die fĂŒr das junge Publikum Kino machen.

Brennen fĂŒr die junge Generation

Regisseurin Teresa Fritzi Hoerl ist eine von ihnen. Schon mit ihrem SpielfilmdebĂŒt NOTHING MORE PERFECT widmete sie sich einer dunklen Seite des Erwachsenwerdens und dies mit spezieller KameraĂ€sthetik. In NOTHING MORE PERFECT begleiten wir die 16 jĂ€hrige Maya, die fĂŒr ein paar Tage mit ihren Eltern nach Prag fĂ€hrt. Dieser Kurztrip passt aber so gar nicht in ihre PlĂ€ne. Schon seit einiger Zeit ist sie auf diversen Suizid-Foren im Internet unterwegs und plant fest sich vor laufender Kamera umzubringen. Ein spezielles und dĂŒsteres Thema, dem sich Teresa Hoerl gekonnt nĂ€hert. Wir sind ganz nah dabei, wenn Maya zwischen Suizid-Foren und dem hier und jetzt mit ihren Eltern switcht. Diese zwei Seiten ihres Lebens, von denen auch die Eltern nichts ahnen, spiegelt sich auch in der Kameraarbeit wieder. Zwischen klassischer Bildsprache und Selfiemodus sind wir Maya so nah, wie auch die Follower ihres Suizid-Kanals.

Nothing More Perfect © MÄKSMY Films | Johannes Brugger

Nun ist Teresa mit dem Spielfilm ALLE FÜR ELLA unterwegs. Ein musikalischer Jugendfilm. FĂŒr Ella ist Musik alles, doch ihre Band scheint sich aufzulösen, da nicht alle den großen Traum vom großen Durchbruch verfolgen. Ganz anders als NOTHING MORE PERFECT spielt ALLE FÜR ELLA mit einer gewissen Leichtigkeit und viel Humor zu den dennoch verzwickten Themen der Jugend, wie Liebe, IdentitĂ€tskrisen und Freundschaft ĂŒber das Abitur hinaus.

Alle für Ella mit Lina Larissa Strahl, Tijan Marei, Malene Becker und Safira Robens © Weltkino Filmverleih | Neue Bioskop Film | Anke Neugebauer

Rezeption von Spielfilmen fördert die IdentitÀtsbildung

Schon lĂ€nger ist bekannt, dass die Rezeption von Spielfilmen die IdentitĂ€tsbildung fördern kann. Über Filme zu sprechen kann kosmopolitische Einstellungen stĂ€rken. Audiovisuelle Medien tragen im gewissen Maße dazu bei, das Weltbild und Selbstbild der Zuschauer*innen zu prĂ€gen, Rollenbilder zu formen, Empathie zu fördern. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist dieser Effekt weit höher als bei Erwachsenen. Daher kann der richtige Spielfilm mit den passenden altersrelevanten Themen einen signifikanten Effekt auf die IdentitĂ€tsbildung des Individuums haben. Demnach ist es umso wichtiger, dieser Zielgruppe wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um der ansteigenden Besucherzahl der 10-19 JĂ€hrigen auch dementsprechend etwas zu bieten, was ihrer Lebenswelt entspricht.

Unterschiedliche Stoffe. Ein Ziel.

Teresa berichtet uns von den unterschiedlichen Produktionsweisen ihrer Filme sowie der speziellen KameraĂ€sthetik. Sie gibt uns Einblicke in die musikalische Umsetzung ihres aktuellen Spielfilms. Und sie erzĂ€hlt uns, warum es sie reizt, gerade fĂŒr das junge Publikum Filme zu entwickeln. „Nur weil es schwierig ist, die Jugendlichen ins Kino zu locken, darf man nicht damit aufhören, es zu versuchen“, denn sie sind die Zukunft des Kinos.

Foto: Tresa Fritzi Hoerl © Caroline Wimmer

Unsere GĂ€stin

Teresa Fritzi Hoerl
Regisseurin & Autorin
Webseite – LINK
Agentur Scenario – LINK
Crew United – LINK

Wir sprechen im Podcast auch ĂŒber die Themen Suizid und Depression. Du bist betroffen? Du weißt gerade nicht weiter? LASS DIR HELFEN.

0800/1110111 (Telefonseelsorge)
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr, kostenfrei und anonym erreichbar: www.telefonseelsorge.de

116111 (Nummer gegen Kummer)
Speziell fĂŒr Kinder und Jugendlichen gibt es von Montag bis Samstag 14.00-20.00 die Nummer gegen Kummer, anonym und kostenlos: https://www.nummergegenkummer.de

U25 Deutschland bietet Mailberatung fĂŒr junge Menschen in Suizidgefahr: www.u25-deutschland.de

Krisenberatung im Live-Chat rund um die Uhr erreichbar: www.krisenchat.de

WeiterfĂŒhrende Quellen

Castendyk, Oliver / MĂŒller, Juliane: Kino- und Fernsehproduktionen fĂŒr Kinder und Jugendliche in Deutschland. Daten und Fakten 2005 – 2010LINK
FFA: Studie Kinobesucher*innen 2022 – Mai 2022 – LINK
Interview: Wie tragen Kinofilme zur IdentitĂ€tsbildung von Jugendlichen bei? Ein GesprĂ€ch mit JĂŒrgen Grimm*, in: TELEVIZION 28/2015/1, S.68-71 – LINK

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